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Der Weg zum optimalen Düngesystem

04 Jul 2013 08:26 • geschrieben von Aram Schneider

Hier im Forum gibt es besonders von Anfängern viele sich ähnelnde Fragen und Probleme bezüglich Düngung bzw. der richtigen Düngesysteme. Dies hat mich dazu veranlasst, diesen Artikel zu verfassen, um einmal ein paar Sachverhalte zu vereinfachen und Wege abzukürzen.

Dazu möchte ich die größtmögliche Schnittmenge an Erfahrungen aus dem Forum mit einfließen lassen. Auf millilitergenaue Düngeangaben will auch gar nicht so sehr eingehen, das hängt zu stark vom Einzelfall ab. Aber fangen wir erst mal von vorn an:

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Als Unerfahrener in punkto Düngung weiß man zu Beginn nicht so recht, wie man in seinem pflanzenbetonten Aquarium mit dem Düngen anfangen soll. Wenn man sich gut eingelesen hat, erfährt man etwas über Mikro - und Makronährstoffe und stolpert über Düngekonzepte wie den Estimative Index oder das PPS Pro System. Beide Systeme sind gut, aber meiner Meinung nach auch etwas überholt.

Die erste Kernfrage, die sich wahrscheinlich über kurz oder lang herauskristallisiert, ist: Welche von den Unmengen an angeblich wichtigen Nährstoffen (CO2, Fe, PO4, NO3, K usw.) sind denn nun am wichtigsten? Oder besser gesagt, welcher fehlende Nährstoff ist in den meisten Fällen für übermäßiges Algenwachstum oder schlechtes Pflanzenwachstum verantwortlich?

 

 

Dazu setze ich hier ein kurzes Ranking der meiner Meinung nach wichtigsten Wachstumsfaktoren und Nährstoffe auf:

  1. Licht
  2. Kohlendioxid (CO2)
  3. Stickstoff (meist als Nitrat, NO3)

Erst danach kommen andere Nährstoffe wie Eisen (Fe) und andere Spurenelemente, Phosphat (PO4), Kalium (K) etc. Wenn man eine genügende Lichtleistung von mindestens 0,5 w/l (Punkt 1) und eine gute, mit einem Dauertest überwachte CO2-Versorgung mit 20-30 mg/l (Punkt 2) voraussetzt, dann ist meistens fehlender oder ungenügend vorhandener Stickstoff der springende Punkt.

Was macht man also als Anfänger? Wenn man davon ausgeht, dass Licht und CO2 ausreichen und man bereits einen Eisenvolldünger besitzt, kommt man zunächst auf die Idee, einen NPK (Stickstoff/Phosphor/Kalium)-Dünger zu kaufen. Dieser Dünger vereint die wichtigsten Makronährstoffe in einer Flasche. Das heißt, das Düngekonzept sieht zunächst so aus:

 

Basisdüngesystem:

  • Eisen (Fe) und andere Spurenelemente werden über den Eisenvolldünger zugegeben. Ich empfehle als groben Anhaltspunkt, mit 1ml Dünger pro 40l Aquariumwasser für eine Tagesdosis zu rechnen
  • Nitrat (NO3), Kalium (K) und Phosphat (PO4) werden über den NPK-Dünger zugegeben

Eine Optimierung dieses Konzeptes wäre die tägliche Düngung mit 1/7 der Wochenmenge. Wenn man es ganz genau machen möchte, gibt man morgens den Eisenvolldünger und abends den NPK-Dünger, damit es nicht zu eventuellen Eisenphosphat-Ausfällungen kommt.


Vorteile:
Der Aufwand ist gering, da man nur zwei Düngerflaschen benutzt.

Nachteile:
Ich würde sagen, in nur ca. 10 % der Fälle sorgt dieses Konzept für guten Pflanzenwuchs und wenig Algen. Meistens reicht die Stickstoffkonzentration dieser Dünger nicht aus, um dem Verbrauch des Beckens gerecht zu werden. Phosphat (PO4) und vor allem Kalium reichern sich an, und es kommt zu verstärktem Grünalgenwuchs sowie grünen Scheiben (Staubalgen).

Fazit:
Es ist ein gutes Grundkonzept, aber ausbaufähig. Wie bereits erwähnt, gibt es in den meisten Fällen ein Problem im Bereich Stickstoff.

Konkrete Lösungsvorschläge:
Im Prinzip gibt es zwei einfache Lösungen. Die erste baut auf dem oben beschriebenen Düngekonzept auf, die zweite hat einen anderen Ansatz.

 

Lösungsvorschlag 1 - Basisdüngesystem + Stickstoff:

  • Fe und andere Spurenelemente werden wie gehabt über den Eisenvolldünger zugegeben.
  • NO3, K und PO4 werden über den NPK-Dünger zugeführt. Man nutzt diesen Dünger in diesem Fall allerdings primär, um sein Becken mitThumbnail image
     Kalium und PO4 zu versorgen!
  • Man benutzt einen extra Stickstoffdünger, mit dem man den NO3-Pegel im Becken über tägliche Düngung idealerweise über 10 mg/l hält. Noch besser sind Werte bei 15-20 mg/l, vor allem bei viel Pflanzenmasse. Das kann ein Dünger auf KNO3-Basis sein (z.B. Easy Life Nitro oder Aqua Rebell Basic Nitrat). Da aber über diese Dünger immer noch zusätzlich Kalium zugeführt wird und sich dieses akkumulieren kann (welches auch immer noch zu leichtem Grünalgenwuchs führen kann, insbesondere zu grünen Scheiben), empfehle ich für die Tagesdüngung einen Kalium-armen Stickstoffdünger. Man kann z.B. über Magnesiumnitrat, Calciumnitrat und/oder Urea (Harnstoff) düngen. Meine Empfehlung ist ein Dünger, der all dieses vereint: der Aqua Rebell Makro Spezial N.


Vorteile:
Es ist mit nur drei Düngerflaschen immer noch wenig aufwändig und verspricht eine hohe Erfolgsquote.

Nachteile:
Je nach Stickstoffdünger kann es immer noch zu einer Kaliumanreicherung kommen.

Fazit:
Ein wirklich gutes und einfaches Grundkonzept. Jetzt kann man noch an den Feinheiten arbeiten.

 

Lösungsvorschlag 2 - Basisdüngesystem über Einzelkomponenten:

  • Fe und andere Spurenelemente werden wie gehabt über den Eisenvolldünger zugegeben.
  • NO3, K und PO4 werden nun einzeln über die jeweiligen Einzeldünger zugeführt. Das heißt, man nimmt einen Dünger für PO4 (z.B. Aqua Rebell Makro Basic Phosphat, Easy Life Fosfo oder Monokaliumphosphat, KH2PO4), einen Kaliumdünger und einen Stickstoffdünger. Ich empfehle allerdings, die letzten beiden Komponenten zu einem Dünger auf KNO3-Basis zusammenzuführen und sich zusätzlich noch einen Kalium-armen Stickstoffdünger anzuschaffen. So kann man z.B. mit dem KNO3-Dünger das Wasser wöchentlich auf Stoß auf die gewünschten Werte aufdüngen und den täglichen reinen Stickstoffverbrauch mit dem Kalium-armen Stickstoffdünger abdecken. Die Stoßdüngung ist vor allem beim Wasserwechsel sinnvoll. Man stellt das Wechselwasser einfach rechnerisch auf die gewünschten Werte ein. Für den Kalium-armen Dünger empfehle ich wie im ersten Lösungsansatz den Aqua Rebell Makro Spezial N. Dieses Konzept der Stoßdüngung von Kalium und der Tagesdüngung von Stickstoff macht Sinn, weil sich erfahrungsgemäß Kalium deutlich weniger verbraucht als Stickstoff.

Vorteile:
Dies ist ein sehr ausgewogenes Düngekonzept, das durch die Handhabung einzelner Komponenten sehr flexibel auf bestimmte Mangelerscheinungen und/oder bestimmten Algenwuchs abgestimmt werden kann.


Nachteile:
Es ist natürlich relativ aufwändig, da man mit mehreren Düngerflaschen arbeiten muss, was auch ein Kostenfaktor ist. Man braucht auch ein bisschen mehr Erfahrung, um das richtige Verhältnis der einzelnen Komponenten anhand von Messungen, bestimmtem Algenwachstum und/oder bestimmten Mangelerscheinungen zu erkennen.

Fazit:
Es ist zwar etwas aufwändiger, aber dafür sehr gut.

 

Mit den letzten beiden Düngesystemen kann man schon eine ganze Menge aus seinem Aquascape bzw. Pflanzenbecken herauskitzeln. Es Thumbnail imagekann allerdings durchaus passieren, dass die Pflanzen durch die reichliche Stickstoffzufuhr und Düngung der anderen Makronährstoffe quasi „den Turbo einlegen“ und ein höherer Verbrauch sämtlicher anderer Nährstoffe die Folge ist. Das heißt, gegebenenfalls muss man zusätzlich die Mikronährstoffdüngung und/oder die CO2-Zufuhr an die Situation anpassen.

Deswegen möchte ich zum Schluss noch ein Düngekonzept vorstellen, das auch die Feinheiten der Düngung abdeckt und sicherlich von den meisten Erfahreneren aus dem Flowgrow-Forum in dieser oder ähnlicher Art praktiziert wird.

 

 

Flowgrow Spezial Düngesystem:


Stoßdüngung mit dem Wasserwechsel:
  • Fe und andere Spurenelemente werden mit einer Wochenration eines stark chelatierten Eisenvolldüngers zugegeben (z.B. Aqua Rebell Mikro Basic).
  • Mit einem auf KNO3 basierenden Dünger wird das Wechselwasser aufgedüngt, so dass der wöchentliche Kaliumverbrauch abgedeckt und ein Grundstock an NO3 vorhanden ist.

Optional:

  • Bei weichem Wasser kann man das Wechselwasser noch durch Aufhärtesalze wie PMS (Preis Mineralsalz) mit Spurenelementen oder, falls man das Ca:Mg (= Calcium-Magnesium)-Verhältnis noch in die Richtung 4:1 bis 3:1 lenken möchte, mit Bittersalz (Magnesiumsulfat, MgSO4·7 H2O) aufhärten.
  • Für eine; Phosphat-limitierte Düngung bietet sich eine Stoßdüngung von PO4 beim Wasserwechsel an, den Wert lässt man dann im Laufe der Woche gegen Null laufen. Auf eine weitere Art der Phosphatdüngung wird dann natürlich verzichtet.

 

Tägliche Düngung:

  • Fe und andere Spurenelemente werden über einen schwach chelatierten Eisenvolldünger verabreicht (ich empfehle hier den Aqua Rebell Mikro Spezial Flowgrow). Durch den schwächer chelatierten Dünger sind die Nährstoffe für die Pflanzen schneller verfügbar und daher oft schon nach ein paar Stunden im Wasser nicht mehr nachweisbar. Dies ist nicht schlimm; ein dauerhaft nachweisbarer Eisengehalt von 0,05-0,1 mg/l ist hier kein Muss.
  • PO4 wird über einen Einzelkomponentendünger, Stickstoff über einen Kalium-armen Stickstoffdünger hinzugefügt (nähere Beschreibung siehe Lösungsvorschlag 1).

Optional:

  • Zeigen die Pflanzen dennoch die typischen Eisenmangelerscheinungen, bietet sich die zusätzliche tägliche Düngung mit einem reinen Eisendünger an (z.B. Aqua Rebell Spezial Eisen oder Easy Life Ferro ).

 

Idealerweise düngt man Phosphat sowie eisenhaltige Dünger zeitlich versetzt, um eventuelle Ausfällungen zu vermeiden. Die Methode „Eisen morgens, Phosphat abends“ hat sich hier bewährt, ist allerdings nicht unbedingt erforderlich.

Optimal ist es, die Wasserwerte seines Trinkwasserversorgers zu kennen und gegebenenfalls in seine Berechnungen mit einzubeziehen. Diese lassen sich meist sehr einfach im Internet „ergoogeln“.