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Estimative Index - Düngung mit Nährsalzen

25 Jan 2009 11:09 • geschrieben von ceg4048

Die Wirtschaftlichkeit von Nährsalzen. Es erstaunt mich immer wieder, wie viele Personen ablehnend gegenüber der Dosierung von trockenen Nährsalzen in ihr Aquarium eingestellt sind. Diese Personen sind scheinbar viel zufriedener mit der Anschaffung teurer kommerzieller Produkte, welche jedoch aus genau den gleichen Bestandteilen

bestehen, aber zusätzlich mit Wasser vermengt werden. Als Beispiel blicken wir auf die Webseite eines bekannten Düngerherstellers und stellen fest, dass deren Stickstoffdünger zu 1,5% aus wasserlöslichen Stickstoff und 2% aus wasserlöslichen Kalium besteht. Dies sagt auch aus, dass der Dünger zu ca. 96,5% aus Wasser besteht. Dieses Produkt wird höchstwahrscheinlich mit Kaliumnitrat (KNO3) und Urea ((NH2)2CO), welche in destilliertem Wasser gelöst werden, hergestellt.

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Hier möchte ich anekdotenhaft ein paar Beispieldaten liefern. Die Zahlen sind eher grob überschlagen und wurden nicht mit Molekulargewichten berechnet, geben jedoch einen guten Überblick:

1 kg (1 Liter) eines kommerziellen Stickstoffdüngers enthält ca. 10,5 Gramm von wasserlöslichem Stickstoff in Form von Urea und Nitrat Nährsalzen, sowie 20 Gramm von wasserlöslichem Kalium. Die Kosten für diesen Dünger kann man durchschnittlich mit ca. 40€ für einen Liter ansetzen. Für 40€ könnte man jedoch 25.000 Gramm Urea Nährsalz und 5000 Gramm Kaliumnitrat erwerben. Hierdurch könnte man sich ca. 200 Liter selbsthergestellten Stickstoffdünger herstellen und würde noch Urea für die nächsten 5 Jahre besitzen.

Die Angst vor trockenen Nährsalzen

Viele sind zaghaft, wenn es um die Nutzung von reinen Nährsalzen geht. Die geheimnisvollen chemischen Bezeichnungen und Formeln sind abschreckend und holen Erinnerungen an die Schulzeit, die durchgefallenen Klausuren im Chemieunterricht und  die damit verbundenen Konsequenzen dieser Fehlschläge zurück. Die Berechnungen für die Dosierungen sind zudem oft unklar. Mehr als oft, kommen Gedanken auf, dass man große Mengen von „gefährlichen“ Reagenzien ins Becken kippt.
In diesem Artikel probiere ich euch die Ängste zu nehmen und euch zu zeigen, dass gerade die Dosierung mit trockenen Nährsalzen mit das einfachste an einem Pflanzenaquarium ist und den höchsten Nutzen in Bezug auf die eingesetzte Zeit und das Geld bringt.

Als erstes müssen wir jedoch unsere Ängste bezüglich der Nährsalze abstreifen und überdenken, was diese Pulver wirklich sind. Anstatt sie als giftige Chemikalien anzusehen, sollten wir sie lieber als Nahrung in Pulverform betrachten. Sie sind alles in allem Salze, welche genau wie unser Speisesalz aufgebaut sind. Ihr streut lediglich diese Salze über euer Aquarium, anstatt sie auf euer Gemüse zu geben.
Selbst die empfindlichsten Fischarten sind absolut unbeeinträchtigt von der Zugabe trockener Nährsalze und werden sich ohne Probleme fortpflanzen, so lange die allgemeinen Wasserwerte für die Fortpflanzung passen.

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Die Theorie hinter dem EI und einige allgemeine Erklärungen


EI steht für Estimative Index (geschätzter Index). Dies ist nicht nur irgendeine Marketingphrase. Ein Index ist ein Referenzpunkt, von welchem wir Unterschiede oder Abweichungen messen können. Wir ermitteln also den Bedarf an Nahrung, welcher von einer bestimmten Anzahl an Pflanzen unter bestimmten Konditionen (Maximale Wuchskonditionen) benötigt wird. Diese Zahl, welche für den maximalen Wuchs benötigt wird, stellt den Index dar. Wir müssen nun den zu düngenden Wert abschätzen, der benötigt wird, da die Konditionen des Aquariums unterschiedlich sind.

Das Ziel des EI ist es, sicher zu stellen, dass es den Pflanzen an keinem Nährstoff mangelt. Der am häufigsten gebrauchte Ausdruck, wenn es um das EI Vokabular geht, ist der Begriff „Unlimitiert“. Dies bedeutet, dass es niemals zu der Situation im Aquarium kommt, in welcher eine Pflanze nicht alle benötigten Nährstoffe zur Verfügung hat. Ein weiterer häufig gebrauchter Ausdruck ist „Nährstoffaufnahme“ (von den Pflanzen). Wie ein Sieb, nehmen die Pflanzen Wasser über ihre Membranen auf und filtern dabei alle möglichen Nährstoffe heraus, die sich im Wasser befinden. Sie entziehen folglich dem Wasser und dem Substrat Nährstoffe und wenn diese nicht ersetzt werden, fällt die Nährstoffkonzentration im Wasser auf Null.
Der Entzug der Nährstoffe aus dem Wasser über die Pflanzen nennt man auch Nährstoffaufnahme. Die Nährstoffaufnahme über einen gewissen Zeitraum kann man als Aufnahmerate bezeichnen. Wenn wir nun eine gewisse Menge an Nährsalzen ins Aquarium geben, dann entsteht durch die aufgelösten Nährsalze eine „Konzentration“ an Nährstoffen im Aquarium. Ein Milligramm eines Nährsalzes, aufgelöst in einem Liter Wasser, produziert eine Konzentration von 1 „Part per Million“ oder auch 1 ppm. Hier in Deutschland kann man auch von Milligramm pro Liter (mg/l) sprechen.
Es wird sehr viel einfacher, wenn man Konzentrationen vergleicht, anstelle von Milligramm, da die Größe des Aquariums bei der Betrachtung der Konzentration keine Rolle spielt. 1 mg/l bzw. 1 ppm ist in einem 50 Liter Becken genau die gleiche Konzentration wie 1 mg/l bzw. 1 ppm in einem 5000 Liter Becken. In dem 5000 Liter Becken muss natürlich 100-mal so viel an gelösten Nährsalzen zugegeben werden. Die Pflanzen sind sich jedoch nicht bewusst, ob sie sich in einem kleinen oder großen Aquarium aufhalten und können daher nur die Nährstoffkonzentration im Wasser ausmachen, da diese über die Membranen der Pflanzen wahrgenommen wwird. Das absolute Gewicht der Nährstoffe, die im Becken gelöst wurden, wird von den Pflanzen dagegen nicht wirklich berücksichtigt.
Wenn man nun beispielsweise die Nährstoffkonzentration im Wasser am Montag Nachmittag mit 10 mg/l gemessen hat und am darauffolgenden Dienstag Nachmittag einen Wert von 8 mg/l misst, kann die Aufnahmerate mit „2 mg/l pro Tag“ beziffert werden.

Dies muss als grundlegende Berechnung von jeglichen Düngermethoden betrachtet werden und es ist sehr wichtig, dass man über Nährstoffkonzentrationen und die Aufnahmerate Bescheid weiß bzw. sich unter den Begriffen etwas vorstellen kann. Als Beispiel kann man die Nährstoffkonzentration auch wie die Süße eines Getränks sehen.

Die Aufnahmerate der Nährstoffe, durch die Pflanze, wird primär über die Stärke des Lichts, welches auf die Blattoberfläche fällt, bestimmt. Mehr Licht schafft auch einen höheren Bedarf an Nährstoffen. Die Pflanze hat hier absolut keine Wahlmöglichkeiten. Die Pflanzen  versorgen sich mit selbsterstellter Nahrung auf einer Art Fließband. Auf diesem Fließband müssen alle Bestandteile der Nahrung gesammelt, zusammengesetzt und zu den Vorratsräumen transportiert werden. Viel Licht beschleunigt dieses Fließband und die Pflanze muss ihr Tempo bei der Nahrungsbeschaffung anheben. Wenn es einen Nahrungsengpass gibt, muss auf die Nahrungsreserven zurückgegriffen werden. Das Fließband gerät jedoch schon ins stocken. Wenn keine neuen Nährstoffe verfügbar gemacht werden können und die Nahrungsreserven nicht mehr ausreichen, lässt die Gesundheit der Pflanze nach und das Fortbestehen ist in Gefahr.

Schnell wachsende Stängelpflanzen können nur schnell wachsen, wenn ihre hohe Aufnahmerate durch ein umfassendes Nährstoffangebot befriedigt werden kann.

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Nun sehen wir also, dass ein Becken mit 80 Litern, welches mit 20 Watt beleuchtet wird, eine langsame Aufnahmerate hat. Hier können wir beispielhaft 1 mg/l annehmen. Alles was man jetzt beachten muss, ist eine Nährstoffkonzentration von mindestens 1 mg/l, um den Bedarf der Pflanzen im Aquarium abzudecken. Wenn man nun eine zweite 20 Watt Leuchtstoffröhre über das Becken hängt, vergrößert sich der Bedarf der Pflanzen auf vielleicht 2 mg/l am Tag. Wenn jetzt weiterhin 1 mg/l pro Tag verabreicht wird, kommt das Fließband schnell zum Stillstand. Es müssen also mindestens 2 mg/l pro Tag zugeführt werden.

Mehr Licht schafft also immer einen Bedarf nach mehr Nährstoffen und CO2. Eine höhere Aufnahmerate  fördert auch eine höhere Wuchsgeschwindigkeit.
Pogostemon stellata (Eusteralis) hat einen unersättlichen Appetit nach Nährstoffen und CO2. Nachdem sie bei mir 40 cm, innerhalb eines Monats, von ihrer Pflanzposition hochgeschossen ist, wurde sie beschnitten und neu eingepflanzt. Wie auf den Bildern gezeigt wird, hat sie ihren vertikalen Wuchs für eine flächendeckendere Ausbreitung unterbrochen. Sie hat mittlerweile eine Spannweite von ca. 13 cm pro Pflanzenspitze. Als Vergleich kann man einige Triebe von Didiplis diandra links auf dem Foto erkennen. Solche extremen Wachstumsraten sind nichts für jedermann, jedoch sind sie sehr faszinierend zu beobachten.

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Die originalen EI Experimente folgten genau diesen Annahmen, so dass kontinuierlich mehr Licht über den Becken hinzugefügt wurde, um höhere Wuchsraten und höhere Nährstoffaufnahme zu bewirken. Ab einem gewissen Punkt, wurden die physischen Limitierungen der Nährstoffaufnahme erreicht, so dass mehr Licht sich nicht mehr in höheren Wachstumsraten oder Nährstoffaufnahmeraten widerspiegelte. Dieses Limit wurde bei ca. 5-6 Watt pro 4 Liter erreicht bzw. ca. 1,38 Watt pro Liter. Für ein 80 Liter Becken brachte es folglich keinen erhöhten Wuchs, wenn mehr als 100-120 Watt T5 Beleuchtung über dem Becken genutzt werden. Der Wert von 5-6 Watt pro 4 Liter (~ 1,38 Watt pro Liter) kann als unlimitierte Beleuchtung angesehen werden, da die Pflanzen eine höhere Beleuchtungsstärke nicht mehr effizient nutzen können. Unter dieser unlimitierten Beleuchtungsstärke können wir nun unterschiedliche Aufnahmeraten von unterschiedlichen Nährstoffen messen. Da eine Erhöhung der Lichtstärke keine weitere Erhöhung der Aufnahmerate bewirkt, können die unter diesen unlimitierten Lichtbedingungen gemessenen Aufnahmeraten als unlimitierte Nährstoffaufnahmeraten bezeichnet werden. Auf einer wöchentlichen Basis wurden die Werte bestimmt:

Nitrat (NO3) 20 mg/l pro Woche
Kalium (K) 30 mg/l pro Woche
Phosphat (PO4) 3 mg/l pro Woche
Magnesium (Mg) 10 mg/l pro Woche
Eisen (Fe) 0,5 mg/l pro Woche


Diese Zahlen verdeutlichen uns, dass wir pro Woche genug Nährstoffe hinzuführen, wenn wir uns an die mg/l Zahlen bezüglich der Nährstoffe halten. Die Pflanzen sollten also selbst mit extremer Beleuchtung von 1 Watt pro Liter oder mehr, nicht größere Mengen an Nährstoffen pro Woche verbrauchen. Nur wenige Personen haben mehr als 1 Watt pro Liter und wie wir gesehen haben, benötigen die Pflanzen mit weniger Beleuchtung auch weniger Nährstoffe. Wenn wir also ein Becken mit nur 0,5 Watt pro Liter hätten, würden die Pflanzen viel weniger Nährstoffe pro Woche als oben angegeben verbrauchen. Das Problem besteht hier, dass wir uns nicht sicher sein können, wie viel weniger die Pflanzen verbrauchen, da diese Tests nicht für jegliche Beleuchtungsstärken durchgeführt worden sind. Die gute Nachricht ist aber, dass wir uns hierüber keine Gedanken machen müssen. Wenn das Aquarium also weniger als 1 Watt pro Liter Beleuchtungsstärke aufweist, haben wir lediglich einen höheren Fehlertoleranzbereich und es besteht eine geringere Gefahr, dass die Pflanzen mehr verbrauchen als wir düngen. Mit einiger Erfahrung und sorgfältiger Beobachtung können wir abschätzen, wie viel wir optional weniger Dosieren, um die Düngermenge auf die geringere Beleuchtung anzupassen. Hier greift der „Estimative“ bzw. der schätzende Teil des Düngerkonzepts.

Um 20 mg/l Nitrat pro Woche zu erreichen, nehmen wir an, dass die Aufnahmerate von 20 mg/l / 7 Tage pro Woche = 3 mg/l pro Tag beträgt (mehr oder weniger). Wir könnten nun 3 mg/l pro Tag dosieren, jedoch hat der Erfinder dieses Konzepts der Einfachheit halber entschieden nur 3-mal pro Woche zu dosieren. Aus diesem Grund wird die mg/l Angabe für die Woche durch drei geteilt und folglich ca. 7 mg/l dreimal pro Woche dem Aquarium zugeführt (Montag, Mittwoch und Freitag). Die Aufteilung in 3 Dosierungen pro Woche hat sich als Standard etabliert, ist jedoch nicht in Stein gemeißelt.

Hier ist ein Beispiel, wie man ein 80 Liter Aquarium dosieren könnte:


Sonntag – 50% oder mehr Wasserwechsel, darauffolgend dosieren [3/16 Teelöffel KNO3 (1 Gramm)] + [1/16 Teelöffel KH2PO4 (0,3 Gramm)] + [1/2 Teelöffel MgSO4x7H2O (2,8 Gramm)]
Montag – 5 ml Tropica Pflanzennahrung
Dienstag - [[3/16 Teelöffel KNO3 (1 Gramm)] + [1/16 Teelöffel KH2PO4 (0,3 Gramm)] + [1/2 Teelöffel MgSO4x7H2O (2,8 Gramm)]
Mittwoch – 5 ml Tropica Pflanzennahrung
Donnerstag -  [3/16 Teelöffel KNO3 (1 Gramm)] + [1/16 Teelöffel KH2PO4 (0,3 Gramm)] + [1/2 Teelöffel MgSO4x7H2O (2,8 Gramm)]
Freitag – Ruhetag
Samstag – Ruhetag

Wie ihr sehen könnt, würde das Becken an dem Tag des Wasserwechsels mit seinen Nährstoffen zur Neige gehen, wenn das Becken mit 1 Watt pro Liter beleuchtet werden würde und eine maximale Aufnahmerate von 3 mg/l hätte.
Wenn man einen Tag mit der Dosierung aussetzen würde, hätte man ggf. bereits Probleme. Da die meisten von uns nicht so viel Licht über dem Becken haben, sollten die meisten Personen eher ein Nährstoffpolster am Ende der Woche aufgebaut haben. Einige Personen sehen gerade in diesem Nährstoffpolster bzw. in dem Nährstoffüberschuss ein großes Defizit dieses Düngerkonzepts. Ehrlich gesagt macht dieses Polster nicht viel aus. Vielmehr hilft es ein kleines Depot aufzubauen, welches sich als günstig erweist, falls man einen Tag die Dosierung vergisst oder ein oder zwei Tage außer Haus ist.
Viele Personen assoziieren die Wasserwechsel lediglich mit der Kontrolle des Nährstoffüberschusses, jedoch sind Wasserwechsel in Starklichtbecken generell sehr wichtig, da sie Nebenprodukte des Fisch- und Pflanzenstoffwechsels aus dem Becken schaffen. Tote und sich zersetzende Blätter, Proteine und Enzyme, Fäkalien, Urin und Mulm zersetzt sich im Becken zu Ammonium, wenn keine Wasserwechsel durchgeführt werden, die diese Stoffe beseitigen. Die Wasserwechsel dienen also dazu, möglichst große Mengen an organischen Abfallprodukten aus dem Becken zu schaffen.

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Das oben genannte Beispiel mit dem 80 Liter Becken, kann auf jegliche Beckengrößen abgewandelt werden. Wenn das Becken also halb so groß ist, müsste man von allen Nährsalzen die Hälfte nehmen. Wenn das Becken beispielsweise 300 Liter hätte, müsste man einfach die Dosierung der Teelöffel mit 4 multiplizieren oder mit 300/80.  Bei dieser Vorgehensweise muss man nicht besonders genau sein. Es bedarf auch keiner genauen Berechnung der Wassermenge des Aquariums (z.B. 300 Liter Becken und nur 240 Liter Wasser). Dies ist der Grund warum dieses Düngerkonzept auf dem „Estimative“ bzw. „Schätzen“ basiert. So lange mehr als die maximale Aufnahmemenge an Nährstoffen im Becken vorhanden ist, werden die Pflanzen nicht verhungern.
Viele der berechneten Teelöffelmaße, gerade für sehr kleine Becken, sind lächerlich klein. Beispielsweise Maße wie 1/32 Teelöffel. Hier wird es schwierig solche geringen Maße zu portionieren. Hier kann man alternativ eine Nährstofflösung für einen Monat erstellen oder eine trockene Mixtur, die dann zusammen dosiert wird.
So genannte Wurzelzehrer profitieren sehr von der Düngung über die Wassersäule und sind mit unter die gefräßigsten Nährstoffverbraucher aus der Wassersäule. Die Wachstumsraten von Echinodorus können gewaltig sein und wuchern schnell das gesamte Becken, über und unter dem Substrat, zu. Starkes Beschneiden und gelegentliches Entwurzeln hilft bei diesen Arten und der Dosierung gemäß des Estimative Index, damit die Pflanzen im Zaum gehalten werden.

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NPK (Nitrat, Phosphat, Kalium) Nährstofflösung für ein 80 Liter Becken.

1 Monat = 4 Wochen
3 Dosierungen NPK pro Woche
Insgesamt also 12 Dosierungen NPK pro Monat
Hierfür muss man nun die Teelöffeldosierung mit 12 multiplizieren =>  [3/16 Teelöffel KNO3]*12 = 2 ¼ Teelöffel KNO3 (12,24 Gramm)
[1/16 Teelöffel KH2PO4]*12 = ¾ Teelöffel KH2PO4 (3,48 Gramm)
[1/2 Teelöffel MgSO4x7H2O]*12 = 6 Teelöffel MgSO4x7H2O (31,8 Gramm)

Diese Menge an Nährsalzen in 600 ml Leitungswasser oder destilliertem Wasser auflösen.
Diese Nährstofflösung sollte nun für 12 Dosierungen ausreichen, also eine Dosis entspricht 600 ml / 12 = 50 ml.
Hierdurch wird das Leben um einiges einfacher, da man nur noch diese 50 ml NPK Lösung dosieren muss und nicht mit allen 4 Nährsalzen rumhantieren muss.
Der Mikronährstoffdünger (Tropica Pflanzennahrung oder ähnliche) muss natürlich auch weiterhin gedüngt werden.

Und was ist mit Wassertests?

Ich kann an drei Dinge denken, die ich absolut nicht in Hinblick auf ein Aquarium mag. Das Erste ist das säubern und entfernen von Algen, das Zweite wären die Wasserwechsel und das Dritte wären die Wassertests. Wenn ein Neueinsteiger normalerweise in eine Zoohandlung geht, um sein erstes Aquarium zu kaufen, wird ihm meist als erstes ein Wassertestkoffer von einem Verkäufer aufgedrückt. Wassertests sind auch oft in Einsteigersets enthalten. Wassertests werden also für gewöhnlich von Beginn an mit der Aquaristik in Verbindung gebracht. Viele sind daher schockiert, wenn ich ihnen sage, dass sie ihre Wassertests wegwerfen sollten.
Ich will natürlich erklären, warum ich Wassertests ablehne:

  1. Hobby Wassertests sind für unsere Belange nicht sehr genau. Das wäre an sich gar nicht so wild, jedoch schwanken die Ergebnisse auch bei einem Test während der Gebrauchszeit.  Dies bedeutet, dass man an einem Tag nur leicht ungenaue Werte erhält und am nächsten Tag absolut ungenaue Werte. Allein eine leichte Änderung der Luftfeuchtigkeit kann schon ausreichen, um ein Testergebnis zu verfälschen.
  2. Wassertests kosten viel Geld. Je genauer der Wassertest, desto mehr Geld kostet er.
  3. Ein Wassertest verrät einem auch nicht mehr, selbst die teuren Wassertests, als man bereits weiß, wenn man einem Düngerplan wie dem Estimative Index folgt. Wenn man 7 mg/l Nitrat am morgen hinzugibt und das Becken maximal 3 mg/l hiervon verbraucht, dann sollten am Ende des Tages noch mindestens 4 mg/l Nitrat vorhanden sein. Beim Estimative Index kümmert es einen lediglich, dass man wenigstens ein gewisses Nährstoffniveau im Becken hält. Es wird eben probiert, immer so viel Nährstoffe im Wasser zu halten, dass diese nicht unter die Aufnahmerate der Pflanzen fallen. Wenn es mehr Nährstoffe als die maximale Aufnahmerate sind, ist dies eher positiv zu sehen. Da man genau weiß, wie viel man dosiert hat, kann man auch in etwa abschätzen welche Nährstoffkonzentrationen im Becken vorhanden sind.
  4. Die Algen, die in unseren Aquarien entstehen, entwickeln sich unter bestimmten Bedingungen, welche meist mit Nährstoffmängeln einhergehen. Wenn also Algen auftreten, dann sollte dies einem zeigen, dass man seine Dosierung etwas anheben muss.


Der Estimative Index benötigt daher keine Wassertests, weil man die zugegebenen Mengen an Nährstoffen weiß und damit alle Unklarheiten beseitigt werden. Wenn man natürlich Wassertests sehr gerne durchführt, dann sollte man auch weiterhin testen. Die Nachteile, die damit verbunden sind, sollte man dennoch im Hinterkopf behalten.

Lösen diese ganzen Nährstoffe keine Algen aus?

Wichtig bei der Betrachtung von Algenproblemen ist, dass man sich vor Augen halten muss, welche Faktoren wirklich die Algen auslösen, da die meisten Algenplagen nicht auf den Düngerplan zurückzuführen sind.

  1. Schlechte CO2 Einleitung
  2. Schlechte Strömung im Becken
  3. Unzureichende Pflegemaßnahmen des Beckens (z.B. Filterreinigung, große Mulmansammlungen)
  4. Zu viel Fischfutter
  5. Starkes Aufwühlen des Substrats


Diese Faktore10n haben alle eins gemeinsam – sie sorgen dafür, dass Ammonium in die Wassersäule gebracht wird. Bei Punkt 1. und 2. sorgen die Pflanzen selber für die Ammoniumanreicherung, da sich ihre Zellstrukturen, durch ungenügende Nährstoffe, zersetzen. Es wird nicht nur Ammonium freigegeben, sondern auch andere Nährstoffe, sowie organische Bestandteile. Aus diesem Grund siedeln gewisse Algenarten auf Pflanzen. Die gleichen Probleme entstehen, wenn zu wenig Nährstoffe dem Becken zugeführt werden.
In Punkt 3 und 4 wird Ammonium durch das zersetzen von organischen Materialien freigesetzt. 5. Ammonium wird in die Wassersäule eingebracht, da im Substrat viele Millionen Bakterien mit der Umwandlung von verschiedenen Formen Stickstoff beschäftigt sind.  Es gibt Bakterien, die Ammonium in Nitrit umwandeln, andere wandeln wieder das Nitrit in Nitrat um. Das Substrat stellt eine eigene kleine Welt in unseren Becken dar und unterstützt die Ökologie des Aquariums enorm.
Beim Aufwühlen des Substrats, beim Umsetzen oder Entfernen von Pflanzen, werden diese ganzen Stoffe in die Wassersäule gespült. Ammonium in Verbindung mit Licht kann hierbei  zu Algen führen. Ein großer Wasserwechsel nach solchen Arbeiten am Aquarium, kann diese Problematik verhindern. In allen Fällen ist die Ammoniumkonzentration, welche für solche Algenauslöser verantwortlich ist, meist noch so gering, dass sie mit einem normalen Wassertest nicht gemessen werden kann.

Um mit dem Estimative Index erfolgreich zu sein, müssen wir uns gänzlich von der Ansicht lösen, dass die Nährstoffe verantwortlich für Algen sind. Im Gegensatz müssen wir annehmen, dass Algen dann entstehen, wenn wir zu wenig von einem Nährstoff vorhanden haben und Beding11ungen auf unser Becken zutreffen, die oben aufgeführt worden sind.

Keine Diskussion über den Estimative Index kann den wichtigen Part des CO2 auslassen. Der CO2 Wert sollte bei 30 mg/l angesetzt werden und mit zum Beispiel einem CO2 Dauertest kontrolliert werden.
Auf dem Bild links ist Ludiwgia var. Cuba zu sehen, welche exotisch, jedoch auch etwas schwieriger zu halten ist. Sie wird schnell zerfallen, wenn die Nährstoffversorgung nicht ausreichend ist und es an CO2 mangelt. Auf dem rechten Bild ist Ludwigia glanduosa zu sehen, welche auch „Mimose“ genannt werden kann. Diese beiden Arten gedeihen sehr gut mit EI Dosierung und CO2 Zufuhr.

Ein Starklichtbecken nach den oben beschriebenen Maßnahmen gepflegt, mit hohen und stabilen CO2 Werten und Dosierung gemäß Estimative Index, schafft ein pflanzenfreundliches Becken, dass wenig Spielraum für Algenplagen schafft.
Der Aquarianer wird mit atemberaubende Farben und extrem schnellen Wuchs belohnt.

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