Du bist hier:

Interview mit Oliver Knott

16 Nov 2008 11:01 • geschrieben von MikeD

Der bekannte Aquascaper Oliver Knott hat viele interessante Fragen in einem ausführlichen Interview beantwortet. Nun könnt ihr etwas mehr über die Person Oliver Knott erfahren.

Erst mal zu deiner Person. Wie heißt du? wie alt bist du? woher kommst du? Als was arbeitest du? Hast du neben dem Aquascaping noch weitere Hobbys?

Oliver Knott, 36 Jahre alt, Geburtsort: Karlsruhe (wohnhaft in Baden)

Hauptberuf: Selbstständiger Aquariendesigner, außerdem Projektleiter Präsentation-Livestock für die Kölle-Zoo Gruppe

Hobby: meine Freizeit gehört meiner Familie


Wann und wie hast du das erste Mal vom Aquascaping gehört und wann hat es dich selbst gepackt?

Bild10Habe mit 16 Jahren (1988) eine Lehre im Zoofachhandel begonnen und bin seit dieser Zeit in dieser Branche tätig. Schwerpunkt war immer die Aquaristik und mit dem ersten Buch von Takashi Amano (1994) fing ich an, mich immer mehr in den Bereich Bepflanzte Aquarien einzuarbeiten. 1999 besuchte mich Takashi Amano in dem Zoogeschäft, wo ich damals als Betriebsleiter tätig war, und dann war es um mich komplett geschehen, insbesondere da ich mit als erster in Deutschland überhaupt seine Produkte verkauft habe.


Was macht Aquascaping für dich so interessant?

Die Abwechslung in der Gestaltung und die Entwicklung insbesondere bei Pflanzenaquarien vom Bepflanzen bis zum perfekten Wachstum.


Hast du einen bestimmten Lieblingsstil?

Ich versuche, so oft wie möglich neue Sachen auszuprobieren, um nicht immer in das selbe Schema zurückzufallen. Deswegen würde ich mich eher als „Freestyler“ betrachten.


Hast du ein Lieblings-Deko-Element, Lieblingsfische oder -pflanzen?

Deko: Außergewöhnliche Steinsorten und abstrakte feine Wurzelsorten, aber immer auf der Suche nach möglichst neuen Sachen.

Lieblingsfisch: ganz schwer, kommt auf die Beckengröße an. Ich mag die natürlichen Fische und Farbvarianten am liebsten, wie Puntius denisonii für größere Becken oder verschiedene kleine Zwergrasbora oder Salmerarten für kleine Becken.

Pflanzen: Vordergrundpflanzen liebe ich, besonders so außergewöhnliche wie Utricularia graminifolia. Lange meine Lieblingstengelpflanzen waren Ludwigia „Cuba“ oder Limnophila aromatica. Doch man kann fast jede Pflanze zum „Scheinen“ bringen bei der richtigen Pflege und bei der richtigen Platzierung im Becken.

Bild05 Bild04 Bild02
Bild07 Bild06Bild00


Woher holst du dir die Inspirationen für deine Aquarien?

Bei den weltweiten Wettbewerben rund um Aquariengestaltungen, insbesondere im asiatischen Raum. Aus der Natur und aus meiner eigenen Phantasie.


Hast du irgendwelche Tips für Anfänger, z.B. wie gehst du gegen Algen vor?

Das Wichtigste ist die richtige Auswahl der Pflanzen zum geplanten Becken, was Beleuchtung und Wasserwerte anbetrifft. Für Anfänger empfehle ich eigentlich immer erst einmal mit einem „Schwachlicht“-Becken anzufangen und mit solchen Pflanzen wie Cryptocorynen und Moosen zu beginnen. Dort sind Algenprobleme relativ selten bzw. leicht in den Griff zu bekommen. Danach kann man sich immer noch an die „gehobene“ Klasse heran wagen.


Wie viele Becken hast du im Moment laufen? Wie viele schon in deinem Leben eingerichtet?

Zu Hause habe ich im Moment 3-4 kleine BecBild01ken zum Testen von verschiedenen Pflanzen. In den verschiedenen Kölle-Zoo (6 Märkte) laufen im Moment ca. 4-5 Becken von mir, die zum Großteil von dem Personal vor Ort gepflegt werden. Jedes Jahr richte ich zur Zeit ca. 50-60 Becken für den Langzeitbetrieb ein, dazu kommen noch an die 20-25 Kurzzeit-Messebecken.

Insgesamt, schätze ich, habe ich seit meiner aktiven Laufbahn vor ca. 20 Jahren an die 1.000 Aquarien eingerichtet und zum Großteil auch selber gepflegt.


Was sind deine größten Erfolge?

Der Gesamtsieg des AGA Contest 2004, erster Platz AGA 2005 und Platz 10 bei IAPLC (ADA) im Jahr 2005.


Bild09Hast du Vorbilder oder Leute, die du sehr bewunderst?

Ganz klar Takashi Amano, absolutes Ausnahmetalent und Wegbereiter der Naturaquaristik. Außerdem alle Aquariendesigner der Welt, die ihr Hobby mit so viel Leidenschaft und Engagement betreiben. Das macht Hoffnung für so manchen „Augenschmaus“ in der Zukunft.



Bei den großen Wettbewerben sieht man deutlich, dass die asiatischen Teilnehmer oft höher stehen als die aus dem Westen; wo, denkst du, liegt der Unterschied?

Da hat natürlich Takashi Amano schon einen großen Einfluss genommen. Sei es durch die breitere Streuung seiner Artikel in der Region und die damit verbundenen Erfolge in der Sparte. Außerdem haben die Asiaten allein aus kulturellen Gründen wohl einen etwas anderen Bezug zur Natur bzw. zum gestalterischen Können. Ich bewundere die asiatische Kultur und besonders in Japan das Streben nach Perfektion. Allerdings, denke ich, werden die westlichen Länder in den nächsten Jahren aufholen können, da man sich hier Jahr für Jahr immer mehr verbessert.


Bild03Wie sieht deine Planung für die Zukunft aus? Und wie denkst du, wird sich das Aquascaping in der Zukunft entwickeln, welche Stile, Verbreitung, usw.?

Ich für meinen Teil werde versuchen, weiterhin die Leute für das Hobby Aquaristik zu begeistern. Auch wenn manche meine „Ausreißer“ in der Aquariengestaltung manchmal kritisieren, werde ich weiterhin versuchen, auch bis an die Grenzen des Geschmacks zu gehen bzw. neue Sachen zu wagen. Wenn man darüber spricht und diskutiert, kommt zumindest Bewegung in die Sache.

In Zukunft werden die kleineren Aquarien meiner Meinung nach weiterhin an Bedeutung gewinnen. Auch aus energietechnischer Sicht und Kostengründen.
Den Stil werden wohl wieder die Asiaten vorgeben. Wobei es an jedem selbst liegt, ob er nicht einen eigenen unverwechselbaren Stil erfindet. Viel Erfolg dabei an alle!