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Interview mit Annika Reinke und Jan Simon Knispel

11 Apr 2011 08:12 • geschrieben von Marcel Dykierek

Das Flowgrow Aquascaping Network hat einen Fragenkatalog erarbeitet, um den diesjährigen Abräumern des "The Art of the Planted Aquarium" (2011) ein paar interessante Details zu ihren Vorgehensweisen und Gewohnheiten zu entlocken. Die Rede ist von Annika Reinke und Jan Simon Knispel.

Flowgrow Aquascaping Network (FAN):
Hallo Annika, hallo Jan,
es freut uns, dass ihr euch die Zeit nehmt, uns Frage und Antwort zu stehen. Seid doch bitte so nett und stellt euch kurz persönlich vor.

jan annikaAnnika & Jan:
Wir sind Jan Knispel (26), derzeit Konstrukteur im Bereich Feuerlöschsysteme und Annika Reinke (29), Tiermedizinische Fachangestellte aus Schneverdingen in der Lüneburger Heide.

 

FAN:
Man darf euch also zu den "jungen Wilden" in der Szene zählen. Wie kamt ihr zum Aquascaping und was fasziniert euch daran?

Annika:
Ab 2008 wohnten wir beruf- und ausbildungsbedingt übergangsweise in Bremen. Da wir unseren Hobbies in dieser Zeit nur am Wochenende nachgehen konnten und der Wunsch nach einem Haustier wuchs, einigten wir uns (gebunden an die Vorgaben des Vermieters) auf die Anschaffung eines Aquariums.

Jan:
Annika meldete von Anfang an Bedenken gegenüber der allgemeinen "Fischsuppe" an. So wurde es meine Aufgabe, dafür zu sorgen, dass es ein pflanzenbestimmtes Becken wurde, welches optisch ansprechend und dem Umfeld angepasst war. Wie wohl bei jedem Aquarienanfänger basierte mein Wissen über die Aquaristik auf Büchern und der Beratung diverser Verkäufer im Zoofachgeschäft. Das erste Becken lief nach einem anfänglich guten Pflanzenwachstum ziemlich schnell in einen üblen Mangelzustand.
Das Layout selber schien Annikas Anforderungen auch nicht gerecht zu werden, sodass ich im Dezember 2008 von ihr auf "Flowgrow" verwiesen wurde, welches sie bei Recherchen zum Thema "Naturaquarium" entdeckte. Nach Wochen des Lesens verstand ich, dass wohl ein Mangel der Makronährstoffe Ursache des schlechten Pflanzenwachstums sein musste (CO2 und Volldünger waren dank vorheriger "Fachberatung" schon vorhanden). So ließ die erste Bestellung bei "Aquasabi" nicht mehr lange auf sich warten und es ging endlich bergauf. Die befallenen Pflanzen wurden ersetzt, viele Wassertests durchgeführt und rote Moorkienwurzeln eingebracht. Die weitere Entwicklung des Beckens überzeugte und mit dem Wissen im Hinterkopf, zukünftig ein größeres Platzangebot durch den Umzug zurück in die Heimat vorzufinden, wurden kurze Zeit später weitere Becken angeschafft.

Annika:
Es ist faszinierend zu sehen, wie viel mehr Aquascaping mit Wohnen und Lebensstil zu tun hat, als mit Fischhaltung. Am meisten fällt es auf, wenn man in eine fremde Wohnung kommt, in der ein gutes Scape steht, da das Umfeld immer stimmig ist und man sich direkt wohl fühlt.

 

FAN:
Woher kommen eure Inspirationen?
Hattet oder habt ihr Vorbilder in der Szene, an denen ihr euch vielleicht sogar ein wenig orientiert?

Jan:
Vorbilder gibt es etliche, am meisten hat mich sicher Filipe Oliveiras "Manso" beeindruckt. Momentan sind es vor allem Cliff Huis Becken, welche mich faszinieren. Nicht zu vergessen ist Takashi Amano, der sicher uns allen als Vorbild dient.

Annika:
Natürlich kenne ich auch die Bilder von Contests und bin immer wieder überrascht, wenn ich neue Becken der "Großen" in der Szene, wie Cliff Hui usw. sehe, aber am meisten inspiriert und fasziniert haben mich bisher die Scapes einzelner Flowgrower, die ich schon live betrachten konnte. Direkt davor zu stehen und nicht nur ein Foto zu betrachten ist einfach viel beeindruckender.

 

FAN:
Ihr habt jetzt also eure Inspirationen und vielleicht auch einen groben Grundgedanken im Kopf, wie plant ihr nun ein neues Layout?

Jan:
Die Inspirationen kommen aus diversen Quellen - Filme, Fotos oder beim Spaziergang mit dem Hund. Natürlich sind es auch andere Scapes, welche häufig "die Richtung" vorgeben. Das Schwierigste ist, passendes Hardscape zusammen zu tragen. Dies dauert leider immer sehr lange und das was man eigentlich sucht, ist häufig nicht zu bekommen. Hierfür fahren wir diverse Läden ab oder sammeln es in der Natur. Hardscape über das Internet zu bestellen käme für uns nicht in Frage. Man muss es live gesehen haben, um sich eine Vorstellung zu machen, wie es später im Becken wirken könnte. Auf Basis des gefundenen Hardscapes wird aus der Idee dann nach und nach etwas Reales. Man kann also schon sagen, dass die Becken primär so werden, wie es das Hardscape hergibt. Auch wenn hierfür von der eigentlichen Idee oftmals abgewichen werden muss. Anders würde es keinen Sinn machen und das Becken nie aufgebaut werden.

 

FAN:
Nowhere-fast loWelches Hardscape-Material verwendest du denn am liebsten oder auch am häufigsten?

Jan:
Am liebsten arbeite ich mit Steinen, mich faszinieren Iwagumis ungemein, auch wenn ich bis dato noch kein vernünftiges auf die Reihe bekommen habe. Dass es dabei in letzter Zeit meist Drachensteine waren, liegt daran, dass sie in Mengen vorhanden waren. Anfänglich war es mir sehr wichtig, dass die Steine das Wasser nicht aufhärten, mittlerweile sehe ich das anders. Bei den Wurzeln waren es bisher immer Rote Moorkien und Mangrove, was auch an der besseren Verfügbarkeit liegt.

 

FAN:
Annika, wie sehen deine Vorlieben diesbezüglich aus?

Annika:
Ich nehme meistens das, was da ist und versuche daraus ein Layout zu gestalten. Häufig sind es Überbleibsel aus vorherigen Layouts. Alles andere läuft mir zufällig über den Weg. Unabhägig von der Planung einer Neueinrichtung. Ich nehme das mit, was gefällt. Dabei ist egal ob es Steine oder Wurzeln sind. Die Idee resultiert erst aus dem gesammelten Material.

 

FAN:
Ok, also im Prinzip konträr zu dem, wie es bei Jan läuft.
Befolgt oder orientiert ihr euch bei der Positionierung des Hardscapes Regeln oder Normen wie z.B. den "Goldenen Schnitt"

Jan:
Nicht bewusst. Wir versuchen einfach etwas Harmonisches hin zu bekommen; dass dabei mehr oder minder automatisch der Goldene Schnitt befolgt wird, liegt in der Natur der Sache. Seit dem Vortrag von Karen Randall auf der Heimtiermesse 2010 in Hannover versuche ich aber vermehrt, mich daran zu halten. Mal klappt es, mal nicht. Ein Lineal etc. setze ich aber höchstens zum Glattziehen des Substrates ein.

 

FAN:
Verstehe, dass kann ich gut nachvollziehen. Kommen wir nun zu dem, was unsere Scapes lebendig werden lässt: Habt ihr eine Lieblings-Pflanze? Wenn ja, welche?

Jan:
HCC und Korallenmoos

Annika:
Pogostemon stellatus

 

FAN:
Annika, würdest du sagen, dass ihr einen jeweils eigenen Stil bei der Kreation eines Scapes an den Tag legt?

Annika:
Ja, unsere Geschmäcker sind dort sehr verschieden. Häufig gefallen uns die Becken des Partners auch nicht so sonderlich gut.

 

FAN:
Tatsächlich!? So unterschiedlich können also Geschmäcker sein.
Wir würden auch gerne wissen, welchen Besatz, also Fische und/oder Wirbellose eure Becken typischerweise aufweisen und warum?

A-Certain-Shade-of-Green loJan:
Beim Besatz gehen wir sehr vorsichtig vor, junge Becken sind wenig stabil, weshalb wir meist mit Schnecken und Garnelen anfangen. Erst nach ca. drei Monaten ziehen die ersten Fische ein. Entweder ein Schwarmfisch oder ein Pärchen eines etwas größeren Fisches. Auf Fischsuppe stehen wir einfach nicht, zumal sich artrein gehaltene Fische auch viel spannender beobachten lassen, als wenn sie dem Stress anderer Fische ausgesetzt sind.

 

FAN:
Wie sieht denn eure Pflege-Routine aus? Wie viel Zeit benötigt ihr dafür etwa pro Woche?

Jan:
Tägliche Kontrolle der Becken ist selbstverständlich. Etwas füttern und düngen nimmt ca. 10 Minuten ein. Sonntags ist Aquarientag, hier gehen dann schon mal sechs Stunden für Wasserwechsel, Rückschnitte etc. drauf.

 

FAN:
Das scheint ein beliebter Zeitvertreib für Sonntage zu sein. Trotz zunehmender Technisierung gibt es noch immer reichlich Dinge, die nur „von Hand“ durchgeführt werden können oder zumindest sollten. Wir wissen, dass Jan bei euch für die Technik „zuständig“ ist. Verrätst du uns, auf welche technische Ausstattung du besonderen Wert legst?

Jan:
Bei der gesamten Technik versuche ich auf hochwertige Produkte zurück zu greifen, wo vor allem auch die Ersatzteilversorgung gesichert ist. Ebenfalls wichtig ist es mir, möglichst wenig Energie zu verschwenden. Dies bedeutet für mich die Verwendung von guten Reflektoren und sparsamen Außenfiltern, welche nach Bedarf mit Strömungspumpen ergänzt werden. Auch die Temperatur der Becken liegt meist bei 22°C plus die tagsüber eingebrachte Abwärme der Beleuchtung.

 

FAN:
Wo wir gerade beim Thema sind: Wie und wie stark beleuchtest du deine Aquarien? Wie verhältst du dich diesbezüglich bei neu aufgesetzten Becken, also während der Einfahrphase?

Jan:
Ich achte bei der Auswahl der Beleuchtung primär darauf, dass das Becken gut ausgeleuchtet ist. Durch die Verwendung von T5 HE und HO Röhren ist das ganze System dann ausreichend flexibel, um den optimalen Pflanzenwuchs zu erreichen. Beste Erfahrungen habe ich bisher mit 0,4-0,5 Watt/Liter gemacht. Alles darüber ist doch sehr arbeitsintensiv. Frische Becken werden lediglich etwas kürzer beleuchtet.

 

FAN:
Du hast Strömungspumpen erwähnt, die du in deinen bzw. euren Becken teilweise einsetzt. Wie stehst du zum Thema Filterung und Umwälzung?

Jan:
Hier bin ich mir aktuell etwas uneinig. Bei der Umwälzung bin ich momentan bei etwa 15x die Stunde angekommen, ob noch mehr etwas bringt, werde ich versuchen. Bei der Filterung gehe ich dagegen eher in die Richtung weniger. Seit dem Erscheinen der "Spezial"-Dünger meine ich, auch mit weniger Filterung gute Ergebnisse erzielen zu können. Abschließend mag ich das jedoch noch nicht beurteilen.

 

FAN:
Hast du ein favorisiertes Beckenmaß?

Jan:
Da meine Becken bisher immer recht hoch waren, möchte ich mich zukünftig den breiteren Becken widmen. Wobei das 60x30x30cm-Standardmaß momentan zu meinen absoluten Favoriten gehört. Diese Becken sind schnell aufgesetzt und benötigen keine besondere Technik.

 

FAN:
Damit haben wir schon mal einen recht umfangreichen Einblick in die technische Ausstattung eurer Becken und deiner Gedanken dahinter bekommen, vielen Dank dafür.
Auch bei der Düngung bist du bei euch federführend, auch zu dieser Thematik würden wir dich also gerne ausfragen.
Verfolgst du beispielsweise bei der Düngung bestimmte Strategien und inwieweit beziehst du den Bodengrund in die Düngung mit ein?

Nano Hannover 2010 loJan:
Momentan beschäftige ich mich mit der Möglichkeit, Ausfällungen zu reduzieren. Hierzu gehört z.B. wenig bis kein PO4 in der Wassersäule. Die Bodengrunddüngung bietet gerade hier hervorragende Möglichkeiten. Grundsätzlich versuche ich aber einfach einen guten Pflanzenwuchs und keine Mangelerscheinungen aufkommen zu lassen.

 

FAN:
Wir haben vor Kurzem über die Beleuchtung während der Einfahrphase gesprochen; wie gehst du sonst beim "Einfahren" eines frisch aufgesetzten Beckens vor?

Jan:
Wie vorhin erwähnt, wird das Licht wird anfangs reduziert. Ansonsten achte ich darauf, möglichst gesunde submerse Pflanzen einzubringen und dem Becken genug Zeit zu geben, ins Gleichgewicht zu kommen.

 

FAN:
Gibt es denn bestimmte Wasserwerte, die du später versuchst zu erreichen bzw. einzuhalten?

Jan:
"Werte" messe ich nicht mehr. Dem Aquarium werden pro Woche ca.
NO3: 20ppm - PO4: 0,5ppm - K: 10ppm - Fe: 0,075ppm - Mg: 10ppm
zugeführt. Dazu mache ich noch große Wasserwechsel von über 50 Prozent und versuche 20-30 mg/l CO2 bereit zu stellen. Dies sind so meine Standartwerte, wenn das Becken länger läuft gehen auch kleinere/weniger Wasserwechsel oder weniger CO2 etc. Dies muss dann eben den Bedürfnissen angepasst werden.

 

FAN:
Während des Betriebs eines Beckens können durchaus einmal Algen aufkommen, sollte das als normal angesehen, oder verhindert werden? Wie gehst du vor, wenn du Algen in deinen Becken entdeckst?

Jan:
Algen sind für mich ein absolutes „No-Go“. Wo immer ich welche entdecke, versuche ich sie mechanisch zu entfernen und meine Düngung entsprechen anzupassen. Selbst grüne Scheiben kann ich nicht akzeptieren und passe entsprechend meine Düngung an.

 

FAN:
Du hast bereits das Thema „Wasserwechsel“ angeschnitten. Wie ist deine Haltung dem gegenüber und was versprichst du dir von regelmäßigen Wasserwechseln?

Jan:
Sie sind ein super Mittel, das Becken auf ein kontrolliertes Nähstoffniveau zu resetten und gehören für mich vor allem in der Anfangsphase dazu. Wenn sich mit der Zeit dann die Düngung dem Nährstoffverbrauch angepasst hat, reduziere ich sowohl Menge als auch Häufigkeit. Trotzdem sind Wasserwechsel gerade bei Problemen die beste "Erste Hilfe".

Closer     lo

FAN:
Die Layouts beim „The Art of the Planted Aquarium 2011“ in Hannover stellen eine Besonderheit dar, da sie nur für zwei bis drei Tage „stehen“, je nachdem wie schnell man mit der Einrichtung fertig geworden ist. Hier besteht die große Gefahr, dass ein Becken „frisch aufgesetzt“ aussieht, was dem gewünschten, möglichst natürlichen Eindruck deutlich entgegen stehen würde.
Jan, wie hast du versucht, bei dem XL Becken (250l) zu umgehen? Stand das Layout so bei euch zu Hause, und wenn ja wie lange?

Jan:
Ich habe es ca. sechs Monate vor dem Contest aufgesetzt. Die letzten Pflanzen sind dann etwa sechs Wochen vorher eingezogen. Leider habe ich durch Transport und Umsetzen zwei wichtige Gestaltungselemente verloren, weshalb das Becken in Hannover doch noch einiges an Improvisation forderte. Dank der Hilfe einiger Flowgrower vor Ort bekam ich schlussendlich genügend Pflanzen zusammen, um das Becken "gewachsen" wirken zu lassen.

 

FAN:
Welche Vision von dem fertigen Becken hattest du? Warum ist es so geworden, wie es geworden ist?

Jan:
Ziel war es, ein Detail aus der Natur aufzugreifen und entgegen des Trends im Maßstab 1:1 darzustellen. Die Detailarbeit zog sich über Wochen hin und wurde immer mehr forciert. Durch den Einsatz des "Spezial" Düngers wuchsen die Pflanzen jedoch so unglaublich, dass es mir nicht mehr möglich war, jedes Detail aufrecht zu erhalten. Schlussendlich wurde das Becken dann durch HCC bestimmt. Man kann also sagen, dass der Dünger für das Gesamterscheinungsbild bestimmend war.

 

FAN:
Warum hast du genau diese Pflanzen in dem Layout verwendet?

Jan:
Vordergrundpflanzen gefallen mir einfach besonders. Zudem passten sie zur Idee des Layouts und lassen sich gut trimmen.

Come-around-Sundown lo

FAN:
Um das Nano-Becken gab es ja ein wenig Verwirrung. Neben dem Becken war zu lesen, dass es Jans Becken sei. Wie wir aber spätestens bei der Siegerehrung im Rahmen der „Scaper Night“ erfahren haben, wurde das Becken jedoch von Annika in der letzten Zeit gepflegt.
Annika, magst du uns das kurz erklären?

Annika:
Das Becken ist im vergangenen Jahr schon einmal nach Hannover gereist. Es stand insgesamt ca. 1,5 Jahre bei uns. Nach dem dritten Platz in 2010 (als "macchu picchu") wurde es - zu Hause angekommen - recht stiefmütterlich behandelt und drei Monate lang weder gedüngt, noch in irgendeiner Weise gepflegt.

Da es aber trotz allem stabil lief, konnte ich Jan überreden, es in meine Obhut zu nehmen. Von da an (ca. Juni 2010) stand es nach einem recht großen Rückschnitt in unserer Küche. Nach und nach wurde es von mir verändert. Fissidens und HCC wurden entfernt, ein "Weg aus Kieselsteinen" wurde geschaffen und die Steinanordnung wurde verändert. Einige millimetergroße Reste Riccardia wurden in jede einzelne Steinkluft gesetzt. Alle weiteren Pflanzen blieben, da ich sie aufgrund ihrer geringen Größe und hinsichtlich des Pflegeaufwandes für passlich hielt.

Als wir zufällig eine 1 cm große Portion Elatine hydropiper bekamen, beschloss ich, den Weg zu bepflanzen. Als sich Bartalgen auf der Riccardia einschlichen, schnitt ich (nie einen Wettbewerb im Hinterkopf) mutig die Riccardia komplett bis auf den Stein runter. Das Ergebnis: Sie wuchs angepasst an die Form des Steines weiter.

Bis drei Wochen vor Hannover lief das Becken so vor sich hin, als Jan mich fragte, ob ich nicht mitmachen wolle. Gesagt, getan: Licht optimieren, Düngung erhöhen, und hoffen. Weil ich nicht mutig genug war, mich der Konkurrenz zu stellen, Jan aber fand, dass sich das Becken gut entwickelt hatte, meldete er es drei Tage vor dem Wettbewerb auf seinen Namen an. So durfte es noch ein zweites Mal (als "Come around Sundown") die Reise antreten. Mit Erfolg: Der erste Platz in der Nano-Kategorie.

 

FAN:
Vielen Dank für die sehr ausführlichen Antworten.
Wir würden euch nun gerne noch einige weitere, allgemeinere Fragen stellen, auf die ihr sehr gerne auch recht kurz antworten könnt. So, wie es euch zuerst einfällt. Wie definiert ihr für euch Aquascaping?

The-Color-and-the-Shape lo

Jan:
Stimmig eingerichtete Becken in passender Umgebung in Verbindung mit hochwertigen Materialien.

 

Annika:
Wie Fernsehen... nur besser!

 

FAN:
Wie seht ihr die Entwicklung der deutschen "Scaperszene"? Gibt es eurer Meinung nach aktuelle Trends?

Jan:
Aquascaping wird in den kommenden Jahren das bestimmende Thema der Aquaristik werden. Der Trend wird zum "Plug & Play - Aquascape" gehen. Dies sehen wir schon recht kritisch, da es mittlerweile viele "Beckeneinrichter" und "Buchautoren" gibt, welche leider immer wieder vergessen, auf das essentielle Thema der Beckenpflege und Düngung einzugehen. Ich hoffe, dass diese Themen in Zukunft mehr in den Fokus rücken.

International gesehen werden die deutschen Becken aber immer besser und ich denke, dass wir mittlerweile zu den Spitzenreitern gehören, was die Pflanzenqualität betrifft.

Annika:
Ich denke, dass es in Zukunft immer mehr zum Thema Aquascaping auf dem Markt geben wird. Der Sinn für die Wichtigkeit von Pflanzen bezüglich stimmiger Wasserwerte wird gestärkt werden. Trotz allem wird es immer eine kleine Gruppe derer bleiben, die mit ihren Scapes erfolgreich an internationalen Wettbewerben teilnehmen, gerne viel Geld für Zubehör ausgeben und verrückt genug sind, sich wie ein Kleinkind über einen Stein zu freuen.

 

FAN:
Welches ist euer derzeitiges fremdes Lieblings-Scape?

Jan:
"Destiny" von Cliff Hui.

Annika:
"Savanna`s Cycle of Life". (28 L, AGA 2010)

60x45x45 loRocks lo


FAN:
Jan, welches deiner Layouts gefällt dir selbst am besten und warum?

Jan:
Mein aktuelles, weil es sich noch weiter entwickeln kann, das finde ich sehr spannend

 

FAN:
Annika, welches von Jans bisherigen Layouts gefällt dir am besten und warum?

Annika:
"Rocks", weil ich Nanos mag und weil es sich aus einem "HCC - Parkbecken" entwickelt hat.

 

FAN:
Was sind eure Wünsche und Pläne für die weitere Zukunft? Gibt es ein Traumprojekt, dass ihr gerne verwirklichen würdet?

Jan:
Ein Traumprojekt wäre ein "technikloses" Diskusbecken, bis dahin werden aber noch einige Jahre ins Land ziehen. Als nächsten Schritt soll erstmal ein großes Wohnzimmer-Iwagumi her ;)

Annika:
Ich wünsche mir (neben dem großen Wohnzimmer-Becken natürlich) gemeinsame Projekte mit den Flowgrowern, die die Community noch enger zusammenschweißen.

 

First-Scaping-Tryout loFAN:
Was ratet ihr Leuten, die Ähnliches erreichen wollen?

Jan:
Probiert verschiedenste Pflanzen aus und beschäftigt euch mit Düngung und Wasserchemie. 90 Prozent eines Aquascapes machen die Pflanzen aus. Wachsen diese nicht optimal, wird das Becken auch mit dem besten Hardscape nichts werden. Sammelt eigene Erfahrungen und lasst euch von Rückschlägen nicht entmutigen, diese hat jeder durchmachen müssen. Flowgrow ist mittlerweile eine unglaubliche Wissensdatenbank und ich bin überzeugt, dass man ohne dort je eine Frage gestellt haben zu müssen, zum optimal laufenden Pflanzenbecken gelangen kann.

FAN:
Ich möchte mich im Namen der Mitglieder des Flowgrow Aquascaping Networks ganz herzlich dafür bedanken, dass ihr euch die Zeit genommen habt, unsere Fragen zu beantworten! Wir alle wünschen euch weiterhin viel Erfolg.

 

 

 

 

Dieses Interview wurde stellvertretend für das Flowgrow Aquascaping Network durch Marcel Dykierek geführt.

 

 

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