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ASW Interview mit Marcel Dykierek

01 Aug 2010 20:24 • geschrieben von Georg W. Just

Das englischsprachige Forum AquaScapingWorld (ASW) wählte Marcel Dykiereks (MarcelD) "Anyplace... Anytime." zum Aquarium des Monats Juli 2010 und führte mit Marcel ein Interview. Exklusiv nun hier für das Flowgrow Aquascping Network die deutsche Version!

Vorstellung und Hintergrund

meBitte erzähle uns ein Wenig über dich, deine aquaristischen Erfahrungen und wie du überhaupt zum Hobby gekommen bist.

Hi! Ich bin Marcel Dykierek, momentan 27 Jahre alt und lebe zusammen mit meiner Freundin in Braunschweig.

Da mein Vater schon Aquarien pflegte, als ich noch ein kleines Kind war, wird es wahrscheinlich nicht verwundern, dass ich eines Tages mein eigenes Aquarium von ihm bekam. Zu diesem Zeitpunkt war ich etwa sieben Jahre alt. Er selbst hatte zu dieser Zeit ein für meine Begriffe riesiges 2m Pflanzenbecken, mit dem er ziemlich erfolgreich bei den damaligen Heimbeckenschauen im lokalen Aquarienverein war.

Mein eigenes Becken war ebenfalls ein Pflanzenaquarium, obwohl ich natürlich noch nicht wirklich wusste, was ich wirklich mit diesem Becken zu tun hatte, um es ähnlich erfolgreich zu betreiben und so war meine Arbeit an dem Becken wohl darauf beschränkt, den Außenfilter zu reinigen und das Wasser zu wechseln, aber an die Details habe ich leider keine Erinnerung mehr.

Irgendwann während des Heranwachsens, kommt eine „schwere Zeit“, in der einiges anders läuft als sonst, und so kam es, dass ich die Lust am Hobby verlor und mein Becken abgebaut wurde.

Vor etwa fünf Jahren -mittlerweile in meiner eigenen Wohnung- rief mein Vater mich unverhofft an und sagte mir, dass ein Kollege von ihm ein gebrauchtes Aquarium zu verkaufen hätte, es handelte sich um ein „Meterbecken“ mit 200l Inhalt mitsamt Schrank und Abdeckung. Ich erbat mir erst noch ein wenig Bedenkzeit, kam aber letztendlich zu dem Entschluss, dass ich es noch einmal versuchen wollte. Da ich aber zwischenzeitlich das Hobby überhaupt nicht mehr aktiv verfolgt hatte, hatte ich nach wie vor keinen wirklichen Schimmer, was alles genau zu tun war, um ein Aquarium erfolgreich zu betreiben. Nur eines stand für mich fest: es sollte wieder ein Pflanzenbecken werden, diese Art Aquarien faszinierte mich doch schon von frühester Kindheit an.

Ich setzte das Becken auf, es war sogar so etwas wie ein Aquascape, da sogar Hardscape enthalten war, obwohl ich ehrlich gesagt noch gar nicht wusste, dass Wurzeln so genannt werden. Zu Beginn musste das Becken ohne CO2 Zufuhr auskommen, gedüngt wurde mit einem preisgünstigen Volldünger. Es wird niemanden überraschen, wenn ich sage, dass das Becken bei weitem nicht so lief, wie ich mir das erhoffte.

Ich zog also los und kaufte eine Druckgas-CO2-Anlage und Markendünger, bei letzterem blieb es aber vorerst bei einem reinen Volldünger, Makro-Elemente blieben weiterhin außen vor.

 hybridtheoryZusätzlich kaufte ich Bücher und Zeitschriften um mein Wissen bezüglich der Aquaristik möglichst schnell weiter auszubauen. Die darin enthaltenen Informationen sog ich förmlich auf, so dass ich bald die wissenschaftlichen Namen vieler Pflanzen kannte, anstatt mich –wie zu Beginn- gerade mal so an die deutschen Trivialnamen zu erinnern.

Wenn ich den Informationen in den Büchern und Zeitschriften, die ich hatte, trauen durfte, machte ich alles richtig, aber die Pflanzen entwickelten sich einfach nicht so, wie ich mir das vorstellte. So war es auch nicht weiter verwunderlich, dass sich langsam aber sicher Algen ausbreiteten und mir die Lust am Hobby etwas eintrübten.

Die Zeit verging und ich suchte nach weiterführenden Informationen im Internet, zum Glück stieß ich dabei auf Flowgrow. Außerdem sah ich erstmals die Aquarien von Takashi Amano. Bei Flowgrow las ich, dass Pflanzen Makro-Elemente zwingend benötigen. In meiner Literatur waren diese mehr oder weniger als „böse“ verschrien, so dass ich bis dahin vollkommen auf diese verzichtete -also nicht zuführte- und sogar versuchte, diejenigen, die durch Fütterung usw. eingebracht wurden, mit speziellen Filtermedien auszufiltern.

Da ich zwischenzeitlich mit meiner Freundin zusammen in eine andere Wohnung gezogen bin kaufte ich mir bei der Gelegenheit gleich ein neues, größeres Aquarium (300l) und düngte dort erstmals in meiner „Laufbahn“ NPK zu. Wie sich herausstellte, war das Leitungswasser in der neuen Wohnung geradezu ideal, um ein Pflanzenbecken aufzusetzen, da es mit einer Karbonathärte von 2° und einer Gesamthärte von etwa 3° sehr weich ist. Die Einrichtung im neuen Becken wechselte: mal waren es Steine, mal Wurzeln, mal beides. Ebenso war die Fluktuation bei den Pflanzen recht groß.

 eternalunityIch suchte nach immer weiteren Informationen im Netz und entdeckte dabei die Aquarien von zwei weiteren Personen: Oliver Knott und Harald Schneider. Mein Entschluss, auch ein „echtes“ Aquascape mein Eigen nennen zu können, stand nun endgültig fest. Ich machte mich also an die Einrichtung des neuen Aquariums und taufte es später „Hybrid Theory“, da in diesem Layout Einflüsse aus der holländischen und der „naturaquaristischen“ Richtung zusammentrafen. Mit dem Layout nahm ich am ASE 2009 teil und landete auf dem 13. Platz.

Mein Nano, welches ich mir ebenfalls zugelegt hatte, trug den Titel „Eternal Unity“ und wurde erst ziemlich genau zwei Monate vor Einsendeschluss eingerichtet. Mit dem Wissen, dass ich zu dieser Zeit hatte, lief es aber recht zufrieden stellend und landete zu meiner großen Überraschung auf dem ersten Platz der Nano-Kategorie. Ich konnte es einfach nicht fassen, mit einem meiner ersten Aquascapes einen Contest gewonnen zu haben!

In der darin ausgelösten Euphorie kaufte ich weitere Becken und setzte mehr Layouts auf. Als Substrat kam zu dieser Zeit ausschließlich feiner, ungedüngter Naturkies zum Einsatz. Mit einem solchen Substrat und einer ausgewogenen Düngung über die Wassersäule ist es durchaus möglich, ein Pflanzenaquarium erfolgreich zu betreiben und die Pflanzen gesund wachsen zu lassen. Aber mit dem Drang in mir, es bei neuen Anläufen immer besser zu machen, als vorher, testete ich ein wohlbekanntes Soil in einigen Becken. Die Pflanzen wuchsen noch besser, also gesünder und wesentlich buschiger als zuvor, mit vergleichbarer Düngung über die Wassersäule.

Leider wurde mein Layout „Anyplace… Anytime“ noch vor dieser Erkenntnis eingerichtet (im April 2009) und so musste es mit dem genannten Naturkies auskommen. Da es aber von dem darin verwendeten Microsorum Spezies dominiert wurde, war Gesamteindruck des Layouts ganz passabel. Mit diesem Becken nahm ich am ASE 2010 in der Standard-Kategorie teil und gewann mit knappem Vorsprung den ersten Preis. In der Nano-Kategorie nahm ich in diesem Jahr nicht teil, da ich mit dem Layout in meinem Nano ganz einfach nicht zufrieden war.

Im Februar 2010 fand die Veranstaltung “The Art of the planted Aquarium” im Rahmen der ABF auf dem Messegelände in Hannover statt. Dort werden Becken unter den Augen der Messegäste  eingerichtet. Ich startete in beiden Kategorien (XL und Nano) und belegte bei den Nanos den zweiten und bei den XL-Becken der ersten Platz.

 

Aquascaping Style und Methoden

Bitte beschreibe deine anfängliche Idee und wie du das Layout geplant hast. Was hat dich dazu inspiriert? Wie ist der Titel deines Scapes?
 
 beyondtimeIch muss zugeben, dass ich keine wirkliche Quelle der Inspiration habe. Alle meine Layouts entstehen in meinem Kopf, da ich leider nicht die Gabe habe, das, was ich mir vorstelle, in graphischer Form zu Papier zu bringen, bevor ich ein Layout aufsetze.

Zuerst habe ich eine grundsätzliche Idee von dem, was ich versuchen möchte, im Kopf. Die betrifft in der Regel aber lediglich das Hardscape. Dieses beginne ich dann zusammen zu sammeln, also zu kaufen. Mit dem Hardscape, das ich dann habe, entwickle ich die Grundidee weiter, bis ich ein recht komplettes Bild vom endgültigen Layout im Kopf habe.

Ich grübele über die Pflanzen, die passen und verwendet werden könnten, schreibe einige auf und lasse ein wenig Zeit verstreichen. In den mit Abstand wenigsten Fällen ist die Liste, die dabei entstanden ist, die endgültige Pflanzen-Zusammenstellung. In aller Regel ergänze ich die Liste um weitere Arten bzw. Sorten, während ich andere wieder streiche. So geht das weiter, bis ich der Meinung bin, die endgültige Zusammenstellung gefunden zu haben. Dann erst bestelle ich die Pflanzen.

Meinen Layouts Titel zu geben, stellt sich meistens als recht schwierig heraus, manchmal ist es aber so, dass ich sogar schon einen Namen im Kopf habe, wenn das Becken noch gar nicht eingerichtet wurde.

Im Falle von „Anyplace… Anytime“ war es ebenfalls nicht leicht, einen passenden Titel zu finden, ich entschloss mich letztendlich zu einem Song-Titel, den ich ein wenig gekürzt habe.

 



 heartofstoneBeschreibe das Hardscape (Wurzeln, Steine, Substrat-Gestaltung) und deine Methoden, dieses zu setzen.  Wie hast du es positioniert, um es so wirken zu lassen, wie geplant?

Wie oben beschrieben, habe ich eine relativ vollständige Vision vom finalen Layout im Kopf, bevor ich ein Becken einrichte. Wurzeln benutze ich meisten so, wie sie sind. Manchmal müssen einige Verästelungen geändert bzw. gekürzt werden, in solchen Fällen breche ich die Zweige dann einfach, anstatt mit einer Säge zu hantieren. So vermeide ich unnatürlich aussehende Enden, die hinterher mit Moos kaschiert werden müssten.

In meinem Layout „Anyplace… Anytime“ habe ich wirklich viele Wurzeln eingesetzt, auf dem finalen Foto sieht man nur noch einen Bruchteil davon, da der überwiegende Teil von den verwendeten Farnen überwachsen wurde.


Beschreibe bitte die Technik(en), die du zum Trimmen und Setzen der Pflanzen verwendet hast, um das Layout so wirken zu lassen. Hast du dich am „goldenen Schnitt“ orientiert, versucht eine Konkave zu verwirklichen, usw.? Wie hast du versucht, die Illusion von Tiefe zu erzeugen?


Als ich im Februar 2010 in Hannover war, konnte ich an einem Vortrag von Karen Randall teilnehmen, sie war Mitglied der Jury bei “The Art of the planted Aquarium”. Sie sprach über die Prinzipien des Aquascaping, die in der Frage erwähnt sind. Ich muss abermals zugeben, dass ich beim Einrichten eines Beckens nicht strikt an diese „Regeln“ denke, es scheint vielmehr so, als würde ich ihnen intuitiv folgen.

Ich setze Pflanzen und Hardscape so, wie ich denke, dass es ansehnlich wirkt.

Was war die bislang größte Herausforderung beim Betreiben und/oder Entwickeln eines deiner Aquascapes?

Das ist ganz klar die Tatsache, dass ich in meinem „Anyplace… Anytime” den ursprünglichen Bodendecker Marsilea sp. nur acht Wochen vor Anmeldeschluss zum ASE 2010 gegen Glossostigma elatinoides austauschte. Marsilea sp. wuchs leider gar nicht so, wie ich mir das erhoffte und machte einen recht ungesunden Eindruck (im erwähnten Naturkies-Substrat). In einem anderen Becken, das Soil als Substrat hatte, wuchs die gleiche Pflanze mit wesentlich größeren Blättern und auch viel dichter und gesünder, als es im 300l Becken der Fall war. Beleuchtung und Düngung waren in beiden Becken vergleichbar.

 
 silenthillAbschließende Gedanken

Bitte äußere weitere Gedanken und nenne interessante Punkte in deinem Aquascape. Was würdest du Neueinsteigern raten? Was planst du für die Zukunft?

Das Wichtigste ist, sich selbst die höchstmöglichen Ziele zu setzen. So handhabe ich das zumindest für mich selbst. Ich bin immer bemüht, neue Layouts besser werden zu lassen als die vorangegangen.

Neueinsteigern kann ich nur ans Herz legen, sich zuerst ein wenig Basiswissen anzueignen, was die Pflanzen und die zum Betrieb eines Beckens benötigte Technik wie Filterung bzw. Umwälzung, CO2, Beleuchtung, usw. betrifft. Auch ein wenig Grundverständis von Wasserchemie kann nicht schaden. Über etwas zu lesen ist schon mal ein guter Anfang, aber etwas wirklich zu machen ist natürlich besser. Nur aus Fehlern lernt man wirklich, daher ist es wichtig, solche zu machen und aus diesen Situationen gestärkt hervor zu gehen.

Die Anfangszeit ist ohne Frage hart, das ist in den meisten Fällen wohl so und war auch bei mir nicht anders. Wichtig ist es, sich von kleinen oder größeren Rückschlägen nicht unterkriegen zu lassen und sich über jeden auch noch so kleinen Fortschritt, den man selbst oder auch sein Becken macht, zu freuen. Nach einer Zeit von Misserfolgen und Rückschlägen wird fast zwangsläufig der Erfolg einkehren, wenn man nur aus seinen Fehlern lernt und es weiterhin probiert.

Was mich anbelangt, habe ich vor kurzem zwei neue Becken aufgesetzt (60x30x36cm und 120x50x50cm). Das kleine Becken ist nur dafür gedacht, einige neue Ideen zu testen, aber mit dem 300l Becken möchte ich versuchen, am IAPLC 2011 teilzunehmen. Das wäre meine erste Teilnahme an diesem führenden Aquascaping-Contest.

Wir werden also sehen, was die Zukunft bereithält.

Zu guter Letzt möchte ich mich bei meiner Freundin bedanken, die mein Hobby so toleriert, wie es ist: Zeitraubend.

 

Hier nun das Bild und die Eckdaten des "Anyplace... Anytime.":

 AnyplaceAnytime

 
Beckendaten:
Aquariengröße

120x50x50cm, 300l

Beleuchtung 2x54W T5 HO & 2x28W T5 HE; mit ATI Reflektoren für 10 Stunden pro Tag
Filter Eheim 2028
CO2 Druckgas, geregelt über pH-Controller; zugegeben per Glasdiffusor
Substrat Naturkies 
Wasserwerte Der einzige Wert, den ich gemessen habe, ist der pH. Dieser wurde per CO2 Zugabe in einem Bereich von 6.6 und 6.8 gehalten.

Leitungswasserwerte: 2°dKH und 3°dGH
Pflegemaßnahmen Wöchentlicher, 50%iger Wasserwechsel
Düngung Tägliche Düngung mit AquaRebell Mikro Spezial Flowgrow, Seachem Flourish Iron und Makro-Elementen
 
Pflanzen: Bewohner:

 

Hintergrund

  1. Vallisneria nana
  2. Juncus repens
  3. Isoetes velata
  4. Microsorum pteropus 'Narrow'
  5. Microsorum pteropus 'Taiwan'
  6. Microsorum pteropus 'Trident'

Mittelgrund

  1. Helanthium bolivianum (Echinodorus latifolius)
  2. Lagenandra meeboldii 'rot'
  3. Microsorum pteropus 'Narrow'
  4. Microsorum pteropus 'Short Narrow Leaf'
  5. Fissidens fontanus
  6. Anubias barteri var. nana

Vordergrund

  1. Helanthium tenellum 'parvulum' (E. tenellus var. parvulus)
  2. Glossostigma elatinoides
  1. Paracheirodon axelrodi
  2. Neocaridina cf. zhangjiajiensis
  3. Carinotetraodon travancoricus




 

 

Vielen Dank an Marcel für die Bereitstellung der Bilder und Texte!

Das Originalinterview in englischer Sprache könnt ihr hier einsehen.

Hier könnt ihr gerne eure Kommentare und Anregungen zum Interview hinterlassen.

Paracheirodon axelrodi

Neocaridina cf. zhangjiajiensis

Carinotetraodon travancoricus
Georg W. Just

Webseite: www.just-aquascaping.com

Georg W. Just Lorem ipsum dolor sit amet, consectetur adipisici elit, sed eiusmod tempor incidunt ut labore et dolore magna aliqua. Ut enim ad minim veniam, quis nostrud exercitation ullamco laboris nisi ut aliquid ex ea commodi consequat. Quis aute iure reprehenderit in voluptate velit esse cillum dolore eu fugiat nulla pariatur. Excepteur sint obcaecat cupiditat non proident, sunt in culpa qui officia deserunt mollit anim id est laborum.