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Interview mit Peter Kirwan

06 Nov 2009 17:58 • geschrieben von Georg W. Just

Überwindung von Grenzen und Limits des Aquascaping: Peter Kirwan teilt uns mit, wie er das aufwändige Hardscape meisterte, das in seinem Aquascape mit dem Titel „Mountainscape" zu sehen ist.

Erzähle uns über dich und wie du zur Pflanzenaquaristik gekommen bist.

pkirwan2Mein Name ist Peter Kirwan, ich bin 44 Jahre alt und komme aus Irland. Vor etwa 3 Jahren fing ich an, mich für das Pflanzenaquarien-Hobby zu interessieren. Während dieser drei Jahre habe ich eine riesige Menge darüber gelernt und in der Praxis einige hübsche Aquascapes zustande gebracht. In jüngeren Jahren hatte ich ab und zu Aquarien, aber nur mit Fischen. Ich hatte mir Pflanzen immer als eine zu schwierige Angelegenheit vorgestellt, so dass ich mich eigentlich nie allzu sehr um sie kümmerte.
Dann stieß ich eines Tages beim Stöbern im Netz auf einige Bilder von wundervoll bepflanzten Aquarien, und die faszinierten mich. Wie wurden die gemacht, fragte ich mich.
Nach einigem weiteren Nachforschen entdeckte ich eine ganze neue Welt, die sich mir erschloss; eine neue Leidenschaft begann. Ich fand eine ganze Szene, die sich den Wasserpflanzen und dem Aquascaping widmet. Ich fand Foren von Aquascapern, die die Kunst des Aquascaping in einer Weise entwickeln, von der ich mir nie vorgestellt hatte, dass es sie gibt. Je mehr ich mir die Journale und Fotos dieser Aquascapes anschaute, desto mehr wollte ich mich damit befassen. Einige dieser Fotos im Web gesehen - und mir war fast sofort klar, dass ich mein eigenes Stück Natur in meinem Wohnzimmer haben wollte.

 

Es scheint, als wärest du von vom Aquascaping-Virus befallen! Wie hast Du angefangen, die Kunst des Aquascaping zu erlernen?

Nun, so wie viele andere Anfänger machte ich mich daran, so schnell wie möglich Aquarienpflanzen zu pflegen. Ich brachte mehr Beleuchtung über dem Becken an, das ich hatte, tat einige Pflanzen hinein, und nach kurzer Zeit hatte ich eine Menge Algen. Doch ich ließ mich von den Algen nicht entmutigen. Ich verbrachte einige Zeit damit, die Grundlagen zu erlernen. Als ich es erst einmal schaffte, gesunde Pflanzen zu kultivieren, fing ich mit meinen ersten richtigen Versuchen im Aquascaping an. Ab dann war es ein erfreulicher Weg.

 

Mit zwei Versionen seines „Mountainscape“ hat er beim AGA gleich zweimal den 1. Platz gemacht.

Ich wusste, dass ich mehr mit diesem Scape erreichen konnte, wenn ich es in ein Größeres Becken überführe – die 54l des ersten Beckens waren sehr limitierend. Die Steine kratzen schon am Glas, um das Aquascape in das Becken zu quetschen - und das war ziemlich knapp.
Das zweite Aquascape ist nur eine Kopie des ersten und wurde nur um am ADA 2008 Wettbewerb teilzunehmen eingerichtet.

 

Nun haben dir deine Geduld und die Entwicklung deiner Fertigkeiten einen Volltreffer eingebracht: dieses im Mittelpunkt stehenden Aquascape. Wie kamst du auf die Idee zu diesem Aquascape?

Meine hauptsächliche Vorstellung zu diesem Aquascape war, nimm ein kleines Becken und gib ihm die Wirkung von Größe und Perspektive. Ich wollte es so machen, dass das Aquascape an eine wirkliche Gebirgs-Szenerie erinnert. Ich wusste, dass bei der gegebenen Beckengröße die Bepflanzungsmöglichkeiten begrenzt sein würden und besser einfach zu halten sind, mit nur einem Pflanzentyp. Ich stellte mir vor, dass diese Berg-Szenerie das Gefühl vermitteln würde, sich irgendwo weiter weg zu befinden, so als wenn man auf ein Bild der Alpen im Frühling oder Sommer schaut.
Ich könnte jetzt weiter beschreiben, wie ich durch irgendeine schöne Landschaft inspiriert wurde, aber das war hier nicht der Fall. Die Inspiration kam teilweise von ein paar Steinen, die ich habe. Ich neige dazu, viele "Trockenversuche" mit verschiedenen Felsen-Layouts zu machen, und es war während einer dieser Übungen, als ich auf die Idee kam, das "Mountainscape" zu schaffen. Diese Steine zeichneten sich durch schöne spitze Strukturen aus und nachdem ich sie in verschiedenen Anordnungen gruppiert hatte, erkannte ich das Potential für eine gebirgsartige Szenerie. Einmal auf diesen Gedanken gekommen, wusste ich sofort, ich möchte es probieren und eine Gebirgsszene in einem Aquascape abbilden.

Version 2 des Mountainscape


Was für Steine hast du verwendet, und wie hast du es hingekriegt, den Abhang-Effekt in Deinem Aquascape zu erzeugen?


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Die verwendeten Steine sind Seiryu- oder "Mini-Landschaft"-Steine, die ich in den letzten Jahren gesammelt habe. Hier und da hatte ich vielleicht jeweils 5 kg gekauft, bis ich ca. 25 kg an Steinen für meine Sammlung zusammen hatte. In diesem Layout habe ich wohl etwa 20 kg Gestein verwendet.
Das Substrat ist ADA-Aquasoil, aber in dieser Form ist es hauptsächlich Schlamm. Ich verwendete es davor schon in vielen verschiedenen Felsen-Layouts, und durch meine grobe Behandlung ist der Aquasoil zerbröselt, aber die Pflanzen wachsen darin dennoch phantastisch. Für dieses Aquascape war der verdichtete Aquasoil bestens zu gebrauchen, weil ich so das schlammige Substrat fest um die Steine packen konnte. Ich fand heraus, wenn man es ein wenig austrocknen lässt, bevor man Wasser einfüllt, erlangt es die richtige Konsistenz für die Formung, und meistens behält es seine Form unter Wasser. Das ermöglichte mir, die schönen hohen Abhänge zu formen, die ich haben wollte.
Der Unterbau des Aquascapes sind ein paar große Steine gegen den fest gepackten ADA-Aquasoil-Schlamm. Ich brauchte nichts weiter, um den Unterbau zusammenzuhalten. Obwohl es nur einmal passierte: das einzige Problem bei der Verwendung des Aquasoil-Schlamms war Wassertrübung, wenn Steine und Pflanzen neu angeordnet wurden. Doch ein schneller Wasserwechsel brachte dies wieder in Ordnung. Davon abgesehen hat die Hangneigung ihre Form großartig beibehalten.



Viele Aquascaper neigen dazu, an ihren Aquascapes herumzumanipulieren. Wie hat sich viel von dem Aquascape allein entwickelt, ohne dass du eingegriffen hast?

pkirwan6Das Aquascape wurde im Laufe einiger Wochen aufgebaut. Als der Hemianthus callitrichoides (HC) anwuchs, blieb der vordere bepflanzte Teil mit den großen Steinen auf der Vorderseite über die ganze Zeit unberührt; dort veränderte ich gar nichts. Die Steine im hinteren Teil wurden ein paar mal umhergerückt und ausgetauscht, als ich das Aquascape optimierte, um die beste Stein-Kombination für die Szene zu finden. Um der Arbeit mit den Steinen den letzten Schliff zu geben, zerschlug ich ein paar Steine aus meiner Sammlung mit Hammer und Meißel, um einige von den kleineren Teilen dazwischenzusetzen; das funktionierte sehr gut.
Der HC wurde ursprünglich in kleinen Büscheln etwa einen Zentimeter voneinander gepflanzt; in der 4. Woche bedeckte es alles, in diesem Stadium schnitt ich es stark zurück, und etwa zwei Wochen später machte ich die Fotos.


Bei der Größe dieses Beckens bist du bestimmt auf einige Schwierigkeiten gestoßen, nicht wahr?

Die größte Herausforderung war das Felsen-Layout selbst. Das war in einem kleinen Becken schwierig, und manchmal wünschte ich mir, ein größeres Becken gewählt zu haben. Die Tiefe des Beckens von nur 30 cm zwischen Vorder- und Rückseite war für mich die größte Beschränkung, so dass ich mir in dieser Hinsicht das Leben schwer machte. Jeder Zentimeter des Raums zählte, als ich versuchte, den Eindruck von Tiefe und Größe im Aquascape zu erreichen.
Davon abgesehen war die weitere Pflege des Tanks eher einfach. Ich verwendete eine große Lichtmenge über dem Becken während der Wachstumsphase, so dass das HC kompakt blieb. Während dieser Zeit wechselte ich auch alle 3-4 Tage 50% des Wassers. Zwar ist solch ein häufiger Wasserwechsel übertrieben, doch ich wollte jedes mögliche Algenproblem vermeiden.
Aufgrund der intensiven Beleuchtung und der häufigen Wasserwechsel konnte ich Algenprobleme vermeiden, solange dieses Scape Bestand hatte. Obwohl ich nicht mit Sicherheit sagen kann, dass es die Wasserwechsel waren, die die Algen in Schach hielten, schadeten sie andererseits auch keineswegs.

 

Der doppelte erste Platz wurde natürlich extremst in verschiedenen Foren diskutiert:

pkirwan7Und dann haben wir da den umstrittenen Teil mit diesen sehr ähnlichen Scapes, die dieses Mal beim AGA Wettbewerb beide Becken den ersten Platz in der „Small“ und „Medium“ Kategorie. Es war eine Art Schock für mich, da ich ehrlich gedacht hatte ich hätte beide Becken in dieselbe Kategorie („Small“) eingestellt und ich kein Becken in der „Medium“ - Kategorie gemeldet habe. Ich glaubte (fälschlicherweise) das der Unterscheidungspunkt der beiden Kategorien bei 100 Litern ist, in Wirklichkeit liegt dieser aber bei 70l.

Also waren meiner Meinung nach beide Becken unter der 100l-Grenze und ich meldete sie in der „Small“ - Kategorie an, denn ich dachte, wenn das eine Becken nicht gefällt hat das andere noch Chancen auf einen Preis. Ich hätte mir niemals vorstellen können, dass beide den ersten Platz in ihrer jeweiligen Kategorie machen würden. Als ich davon erfuhr fühlte ich mich schlecht, da es niemals meine Absicht gewesen war anderen Teilnehmern „etwas wegzunehmen“. Ich hätte beide Becken auch niemals in verschiedenen Kategorien gemeldet, da sie einfach zu ähnlich sind. Als die Ergebnisse bekannt wurden sagte ich dies auch im UKAPS-Forum, dass es ein Fehler war und ich dachte, dass die Jury niemals so ähnliche Becken auf Platz 1 setzen sollten.

Nachdem die Bilder von ADA veröffentlicht wurden, wurde ich von einem Teilnehmer beschuldigt, dass ich das Becken mit Photoshop „erstellt“ hätte, weil es so perfekt wäre – ich hab’s als Kompliment aufgefasst. Also habe ich das unberührte und unbeschnittene Bild, welches ich auch zu ADA schickte, hochgeladen und die Auseinandersetzung war vorbei. Witzig - aber nichtsdestotrotz: ich würde niemals betrügen.

 


Was ist für die Zukunft dieses Aquascape geplant?

pkirwan4Nachdem diese Fotos gemacht worden waren, habe ich dieses Aquascape in ein größeres Becken überführt, und hoffentlich habe ich auch einiges besser gemacht. Die Größe des ursprünglichen Beckens beschränkte die Möglichkeiten, die Steine und Pflanzen unterzubringen. Nun, wo es sich im größeren Aquarium befindet, habe ich einige Verbesserungen vorgenommen. Je nachdem wie es gerät, möchte ich mit der 2. Version des "Mountainscape" am diesjährigen ADA-Wettbewerb teilnehmen. Die Zeit wird es zeigen.
Ich habe das Aquascape erst vor einigen Wochen umquartiert.
Mit allem drum und dran setzte ich es um, nahm die Veränderungen vor und pflanzte den HC neu. Es ist bei dem Aquascape noch zu früh, um sehen zu können, ob es so gewirkt hat, wie ich es mir vorstelle. Das neue größere Becken gibt mir sicherlich viel mehr Raum, um neue Felsformationen und Strukturen zu gestalten.

Nachdem du dein Aquascape erfolgreich realisiert hast - wie hat sich deine Anschauungen über das Aquascaping verändert?

Ich neige nun dazu, die Natur mit anderen Augen zu sehen, als ich es tat, bevor ich mit dem Aquascaping-Hobby begonnen hatte. Ich denke, wenn man erst einmal auf den Geist des Aquascaping eingelassen hat, nimmt die Natur eine andere Rolle an. Man wird sich seiner Umgebung bewusster und bemerkt die feineren Details, die Inspiration für das nächste Scape bieten.
Ich würde sagen, dass ich süchtig nach dem Aquascaping-Hobby bin. Ich fing mit einem Becken an, doch jetzt habe ich vier Becken in allen Größen! Aber normalerweise schaffe ich es nur, für zwei kleinere Aquascapes gleichzeitig Zeit zu haben. Dieses Hobby kann sich definitiv in mehr als nur einer Hinsicht ausweiten, wenn man nicht aufpasst!
Ich gebe zu, das Hobby hat durchaus auch seine frustrierenden Momente, aber wenn man Geduld aufbringt, lohnt sich das Ergebnis sehr.

Die „Version 2“ des Aquascapes sehe ich als vollendetes Scape und schöner, aber nur eine Variation des Originalscapes, wobei ich auch die „Version 1“ mag.

Ich denke diese Art von Aquascaping, der Stil des „Realismus“ oder auch „Hyper-Realismus”, wird nicht jedem gefallen und kontrovers diskutiert werden, aber wie alles andere auch sollte es akzeptiert werden, wenn es gut genug gemacht wird, wie alles bei diesem Hobby. Im Moment habe ich keine Pläne für ein weiteres Mountainscape, ich überlasse es jemand anderem, aber wer weiß…

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Mountainscape Version 2

Abmessungen: 60cm W x 36cm H x 45cm  - 97L
Licht:6 x 24w T5 8 Stunden pro Tag in der Wachstumsphase – später reduziert
Düngung: nach EI (Estimative Index)
Filter: Eheim 2215
ADA Aquasoil Amazonia
CO2: 1-2 Blasen pro Sekunde

Rasbora maculata
Hemianthus callitrichoides "Cuba"
Mini-Landschaft

 

Übersetzung Heiko und Georg W. Just

 

Hier könnt ihr über den Artikel diskutieren: => KLICK <=

Georg W. Just

Webseite: www.just-aquascaping.com

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