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Der Iwagumi-Stil

02 Dec 2008 20:44 • geschrieben von Roy Deki

Viele haben den Begriff „Iwagumi" schon gehört, gerade jene, die oft auf Webseiten und in Foren surfen, welche sich mit dem Aquascaping beschäftigen. Dabei wissen die wenigsten, was er ins Deutsche übersetzt bedeutet. Wörtlich übersetzt bedeutet Iwagumi „Stein-Formation".

In japanischen Steingärten sind Steine die wichtigsten Bestandteile des Layouts, welches meist aus drei von ihnen besteht: dem Haupt-Fels (mainstone / mainrock) und zwei kleineren, verschieden großen Felsen, die den Haupt-Fels flankieren. Wenn die Steinformation richtig angeordnet ist, fügt sich der Rest des Layouts von selbst zusammen.
 
Beim Aquascaping hat man die strikten Grenzen des Ganzen zwar erweitert, allerdings sollte immer auf die Grundprinzipien der japanischen Steingärten zurückgegriffen werden.

Der Grundsatz des Iwagumi

Beim Aufbau eines Iwagumi-Aquascapes sollte immer eine ungerade Anzahl von Steinen genutzt werden. Außerdem sollte darauf geachtet werden, dass die Steine verschiedene Größen und Formen besitzen, aber dennoch von der gleichen Sorte sind. Das schafft Kontinuität und erzeugt Harmonie.

Einer der schwierigeren Aspekte des Iwagumi ist, eine optische Ausgeglichenheit im Aquascape zu erreichen. Viele Aquascaper folgen daher der Regel des Goldenen Schnittes. Dazu teilt man das Layout in drei gleich große Segmente, von oben bis unten und von links nach rechts. Die Fokuspunkte sind dann durch die Schnittstellen der horizontalen und vertikalen Linien vorgegeben. Setzt man in diesen Bereichen Steine oder Pflanzengruppen, so schafft man damit eine Fokussierung auf bestimmte Elemente des Aquascapes.

Durch das Substrat wird die Basis für den Sichtverlauf des Betrachters geschaffen. In einem Iwagumi-basierten Aquascape sollte das Substrat daher Konturen und Texturen besitzen, um das Auge in Bewegung zu versetzen und es auf alle Aspekte des Aquascapes zu lenken.
Strategisch eingesetzt, kann das Substrat sogar den Eindruck von Tiefe erzeugen.
Eine nach hinten ansteigende Substrathöhe oder auch seitlich verschiedene Substrathöhen schaffen Tiefe, aber auch mehr Persönlichkeit.

Wenn das Substrat einmal vollständig mit Bodendeckerpflanzen bewachsen ist, entsteht ein Gefühl von Bewegung und Fluss mit sanft geschwungenen Hügeln und Tälern.

 
Die Auswahl des Hardscapes

Beim Start eines neuen Layouts solltest du immer mehr als genug roy4Hardscape-Material vorrätig haben. Das gibt dir mehr Möglichkeiten bei der anfänglichen Planung des Designs.
Du solltest nicht durch eine begrenze Auswahl an Hardscape beschränkt werden.
Ich rate dazu, mindestens sieben verschieden große Steine zur Verfügung zu haben. Suche Steine mit Charakter; je mehr Kanten und Struktur deine Steine besitzen, desto detaillierter und komplexer erscheint das Layout.

Einige der bekanntesten Steine für Iwagumi-Layouts sind "Minilandschaft" (Seiryu-seki stone), der "Maten stone" und der "Shou stone". Diese Steine eignen sich hervorragend für Hardscapes, aber du kannst natürlich auch andere Steine wählen.
Das Ziel ist es, Gruppen von Steinen zu finden, die sich ein Farbschema teilen, allerdings verschieden in ihren Details, Farbgebungen, Formen und Konturen sind.

Wenn du eine solche Auswahl im Aquascape einsetzt, erscheinen die Steine einheitlich, behalten aber dennoch ihre eigenen ausgeprägten Charakteristika.
Die Anordnung des Hardscape sollte einen klaren Fokus besitzen und den Blick des Betrachters lenken.

Die Wahl der richtigen Pflanzen

Der Iwagumi-Stil soll das Gefühl von Ruhe und Einfachheit vermitteln; daher wird nur eine beschränkte Anzahl an Pflanzen genutzt. Üblicherweise besteht das Aquascape aus einer Vordergrundpflanze wie Eleocharis acicularis, Glossostigma elatinoides oder Hemianthus callitrichoides, um nur einige zu nennen.

Im Hintergrund sollte auch nur eine Pflanzenart zum Einsatz kommen. Diese kann, je nachdem welcher Eindruck erzielt werden soll, variieren. Die Steine sind der Fokus im Iwagumi-Aquascape, darum sollten keine Pflanzen genutzt werden, die den Fokus auf sich ziehen.

In Harmonie mit der Fauna

Bei der Auswahl der Fische ist es wichtig, die Einfachheit, Harmonie und Einheitlichkeit zwischen der Fauna und dem Aquascape zu betonen. Zu viele verschiedene Fischarten verursachen Uneinigkeit und ziellose, chaotische Bewegung untereinander, was vom eigentlichen Aquascape ablenkt.

roy3Anstelle von vielen Fischarten solltest du eine einzige Art einsetzen. Schwarmfische eignen sich besonders gut, da sie flüssige Bewegungen und Behagen ins Aquascape einbringen.
Die am häufigsten genutzten Fische sind Neonsalmler, Rotkopfsalmler und Keilfleckbärblinge. Es gibt allerings verscheidene Arten von Schwarmfischen - echte und unechte Schwarmfische. Nur bei echten ist kontinuierlich ein synchrones Schwimmverhalten zu beobachten, bei den unechten Schwarmfischen wird dieses nur in bestimmten Situationen wie Angst oder Stress zu beobachten sein. Darum ist darauf zu achten, echte Schwarmfische zu wählen, um im Aquascape eine ruhige Atmosphäre zu schaffen.
 
 
Garnelen wie die Caridina japonica (Amano-Garnelen) werden sehr oft in Pflanzenaquarien eingesetzt und dienen dabei als hervorragende Putzkolonne, ohne vom Aquascape abzulenken.
Durch ihre recht geringe Größe und Transparenz fügen sie unauffällig ins Gesamtbild ein. Andere Garnelenarten können aufgrund von Farbe oder Größe störend wirken.

Nicht so einfach wie es aussieht

Es ist ein verbreitetes Missverständnis, dass der Iwagumi Stil aufgrund seiner einfachen Form auch leicht zu pflegen sei. In Wahrheit ist es ein recht schwieriger Stil, da er nur zwei Pflanzenarten beinhaltet, welche besondere Aufmerksamkeit benötigen.
Die zwei oben erwähnten Pflanzen sind stark auf die Düngeversorgung an den Wurzeln angewiesen, demnach sollte nur in Maßen über die Wassersäule gedüngt werden.
Es ist wichtiger, ein nährstoffreiches Substrat zu verwenden, um diesen speziellen Pflanzen einen starken und gesunden Wuchs zu ermöglichen.
Viele Aquarianer übersehen die Wichtigkeit eines nährstoffreichen Substrates und kommen dann später in Schwierigkeiten mit der Gesundheit ihrer Pflanzen.

Bei meinem ersten Versuch, ein Iwagumi-Aquascape zu betreuen, traten bei mir alle in der Süßwasseraquaristik bekannten Algenarten auf. Es war weitaus das schwierigste Aquarium in Sachen Nährstoffgleichgewicht. Mit der Hilfe von Seachem Exel (Easy Carbo) wurde ich alle Algen los, allerdings überlebte Hemianthus callitrichoides (H.C.) den Einsatz nicht.
Ich musste das H.C. neu setzen und auf guten Wuchs warten, bis ich das Aquarium wieder befüllen konnte.

Mein Ergebnis im Aquascaping

Nachdem ich ein Iwagumi-Aquascape zustande gebracht hatte, welches die Hauptkriterien des Iwagumi-Stils (Ausgeglichenheit, Ruhe und dynamische Bewegung) betont, kann ich ehrlich sagen, dass ich mich nicht länger als Anfänger in diesem Hobby fühle.

Durch das Erschaffen dieses kleinen Flecks Natur habe ich so viel gelernt, dass es all die Frustration währenddessen wert war.
Also, egal ob Neuling oder Experte, jeder sollte die Freuden erleben, die das Fertigstellen eines gelungenen Iwagumi-Aquascape mit sich bringt.

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Passage Beyond (Roy Deki)
 
 
Der Original-Artikel ist bei Aquascaping World zu finden. Übersetzt von Jascha.
 
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