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Aller Einstieg ist schwer - oder auch nicht!

21 Jun 2010 17:00 • geschrieben von Georg W. Just

Oft sieht man diese perfekt eingerichteten Becken, voller Harmonie, genialem Pflanzenwachstum und man ist hingerissen von der Gesamtwirkung des Aquascapes. Man fragt sich: „Wie machen die das?“ oder „Das will/kann ich auch!“. Dann sammelt man sich das (oft unzureichende) Equipment zusammen und beginnt mit seinen ersten Versuchen.

Oft ist es aber so, dass man vom Ergebnis nicht direkt wirklich überzeugt ist, oder dass die Pflanzen nach ein oder zwei Wochen anfangen zu kümmern. Es ist aber noch kein Meister vom Himmel gefallen. Viele Aquarien laufen nicht von Anfang an perfekt, es treten ausgelöst durch unterschiedliche Zusammenhänge/Gegebenheiten verschiedenste Problemchen auf – seien es Algen oder Mangelerscheinungen im Wachstum der Pflanzen. Zu einem erfolgreichen Aquascape gehört neben jeder Menge Wissen auch ein Händchen für die Pflanzen, mitunter das Wichtigste in deinem Becken, und ein Gefühl für die richtige Komposition des Hardscape, der zweiten sehr wichtigen Komponente des Aquascapes. Die allerwichtigste Eigenschaft, die man mitbringen sollte, ist jedoch Geduld, denn Pflanzen brauchen Zeit richtig anzuwachsen sowie ihre Schönheit zu entfalten und bei der Platzierung des Hardscape und auch bei der Beckenpflege kommt es besonders auf Feinheiten, manchmal im Milimeterbereich, an. Keine Sorge, vieles davon kann man lernen und sich bei anderen Aquascapes abschauen.

simondown

Auch wichtig ist es zu wissen, dass jedes Becken anders ist – mal mehr, mal weniger - die "richtigen Wasserwerte" gibt es nicht - sie müssen für jedes Becken (und auch für jeden Scaper) erst gefunden werden! Es kommt auch bei erfahrenen Aquascapern ab und an mal vor, dass sich Algen breit machen, doch mit der Zeit haben diese gelernt richtig und rechtzeitig gegenzusteuern. Natürlich steckt auch hinter den Fotographien von Aquascapes sehr viel Wissen und Können, und es fällt dem Foto-Laien schwer solche Bilder nachzuknipsen.

Befassen wir uns erstmal mit dem richtigen Pflanzenwachstum, denn das beste Hardscape kommt nicht zur Wirkung, wenn die Pflanzen schlecht stehen. Spätestens dann verliert man die Lust an der Sache, aber der Ehrgeiz sollte da sein, das möglichst gut umzusetzen, was man sich in den Kopf gesetzt hat – also nicht aufgeben. Zuallererst sollte man also lernen seine Pflanzen zu lesen und ihnen die beste Umgebung zum Wachsen zu bieten, danach kann man sich der richtigen Gestaltung des Beckens widmen. Es lohnt sich mit verschiedenen Pflanzenarten herumzuprobieren, wie diese auf unterschiedliche Düngezufuhr reagieren und herauszufinden welche Pflanzen einem eigentlich liegen. Schau doch einfach mal in der Wasserpflanzendatenbank nach, welche Pflanze dir gefällt und welche Besonderheiten und Ansprüche sie aufweisen. Man unterscheidet wichtige für Pflanzen benötigte Stoffe in Makro- (Nitrat (NO3), Phosphat (PO4) und Kalium (K)) und Mikronährstoffe (Eisen (Fe) und Spurenelemente). Auch lohnt es sich mit verschiedenen Mikrodüngern herumzuprobieren, denn hier gibt es auch leichte Unterschiede.

Gute Werte für ein gesundes Pflanzenwachstum sind:
Fe 0,05-0,1; PO4 0,1-0,5; NO3 5-30


simonsmallKalium lässt sich eher schlecht bis gar nicht mit herkömmlichen Tests messen, aber eine gute Kaliumversorgung ist aber oft (je nach Produkt) durch den Einsatz von Nitrat- oder Phosphatdüngern gewährleistet. Notfalls kann man sich ja noch einen extra Kaliumdünger zulegen. Alle diese Werte sollten am Besten mit einem Tropfentest gemessen werden, im Fachhandel werden vor Ort auch oft kostenlose Wassertests angeboten, aber am Besten sollte man sie anfangs relativ regelmäßig zu Hause kontrollieren können. Zuerst sollte man also diese Werte optimieren und in etwa wissen, was seine Pflanzen verbrauchen, erst dann sollte man über weitere Maßnahmen wie z.B. Lichtaufstockung nachdenken – generell ist es aber immer ratsam zur besseren Lichtausbeute gute Reflektoren zu verwenden (fast alle Aquaristikfirmen haben brauchbare Reflektoren im Sortiment).

Man kann ein Becken mit viel oder auch mit wenig Licht fahren, darauf sollte man aber auch seine Pflanzenauswahl ausrichten, denn jede Pflanze hat andere Bedürfnisse. Bei viel Licht werden natürlich viel mehr Nährstoffe von den Pflanzen schneller verbraucht, was wieder ein gewisses „Feeling“ für das Düngungs-Verbrauchs-Gleichgewicht voraussetzt: daher erst einmal mit geringer Beleuchtungsstärke Erfahrungen sammeln und später aufstocken. Die „Mittagspause“ bei der Beleuchtung wird ebenfalls kontrovers diskutiert – nennenswerte Effekte sind nicht immer zu beobachten.

Wir streben in unserm Becken eine Beleuchtungszeit von etwa 9-10 Stunden an, falls viel Licht installiert sein sollte, kann man die Beleuchtungsdauer auch etwas (auf ca 8h) reduzieren. Manche Pflanzen zeigen einem es sogar, wenn sie genug Sonne getankt haben: sie gehen "zu" - man kann also somit auch etwas Strom sparen, indem man die Beleuchtungszeit individuell auf sein Becken anpasst, denn eine weitere Beleuchtung wäre in diesem Falle schon nicht mehr allzu sinnvoll. Beim Start eines neuen Beckens kann man es direkt, falls man schon mit anderen Becken etwas Feeling für Pflanzenwuchs bekommen hat und bei Algen gezielt gegensteuern kann, mit "voller Sonne" befeuern. Für den Einsteiger ist es aber ratsam mit etwa 6 Stunden anzufangen und bei sich besserndem Pflanzenwachstum etappenweise an die optimale Beleuchtungsdauer heranzutasten. Auch helfen einem schnellwachsende Pflanzen wie Hornkraut oder Wasserpest bei der Aufnahme überflüssiger Nährstoffe und somit beugen sie Algenwachstum vor.

Es gibt im Großen und Ganzen zwei „Systeme“ nach dessen Anweisungen man düngen kann. Beide Arten haben Vorteile und Nachteile: zum einen der Estimative Index und das PPS pro. Natürlich sollte man diese Systeme kontrolliert auf sein eigenes Becken abwandeln, anpassen und perfektionieren. Die Dosierung der verschiedenen Dünger sollte auch nicht gleichzeitig an derselben Stelle des Beckens erfolgen, da es zu Ausfällungen kommen kann – daher entweder zeitlich verzögert oder örtlich voneinander entfernt dosieren.

simonco2Eine gute CO2-Versorgung der Pflanzen sollte ebenfalls gesichert sein - zwar kann man auch ohne diese gute Erfolge verzeichnen, doch der Einsatz einer CO2-Anlage erleichtert einem die für unsere Zwecke recht hohen angestrebten Werte von 20-30mg/l zu erreichen, die sich mit verschiedenen im Handel angebotenen Dauertests gut überwachen lassen. Der Deuertest zeigt einem den Gehalt von gelöstem CO2 an – blau: zu wenig, grün: optimal, gelb: zu viel; freilich gibt es hier Farbübergänge und du solltest auch etwas herumprobieren, bis du die gewünschte Färbung des Tests erhälst und ein Gefühl für eingespeiste CO2-Menge bekommen hast. Achtung: der CO2 Test färbt sich etwa erst nach 2-3h richtig um, also nie unbeaufsichtigt und in großen Stücken an der CO2-Zufuhr rumdrehen, denn das könnte für deinen Besatz fatal enden. Um Beständigkeit zu erhalten sollte man ab und an die Testflüssigkeit gegen neue austauschen. Es gibt zwei Varianten CO2 ans Becken anzuschließen: via Druckgas-Flasche oder sogenanntes "Bio-CO2", welches durch die Vergährung von Zucker durch Hefepilze entsteht. Nachts sollte die CO2-Zufuhr am Besten mit einem Magnetventil ausgestellt werden, um CO2-Spitzen zu vermeiden. Um das CO2 einzuwaschen gibt es im Handel eine große Auswahl an Gerätschaften von passiven Diffusoren über aktive Einwaschung mit Hilfe von recht großen Reaktoren. In manchen sehr stark bepflanzten Becken kann es nötig werden nachts für ein paar Stunden eine Membranpumpe anzuschließen, die für ausreichenden Sauerstoffeintrag sorgt, denn Pflanzen produzieren ohne Licht keinen Sauerstoff und sind dann ebenfalls wie Tiere nur Konsumenten des gelösten O2.

simonsideDamit sich eventuelle Schadstoffe (wie z.B. Kupfer – in geringen Konzentrationen notwendig, in hohen Dosen toxisch) nicht anreichern ist ein regelmäßiger Wasserwechsel, jede oder alle zwei Wochen, von Nöten um sein "System zu resetten". Damit die Pflanzen auch ihre Nährstoffe erhalten, müssen diese auch an der Stelle sein, wo sie gebraucht werden: das bedeutet, dass wir eine Wasserbewegung in jedem Bereich des Beckens haben sollten. Oft muss man dazu noch eine kleine Strömungspumpe oder einen weiteren bzw. größeren Filter installieren – diese sollten jedoch nicht überdimensioniert werden, sonst herrscht der Sturm im Wasserglas.

Bei manchen Filtersubstraten oder auch Filterarten (wie z.B. dem HMF) besteht die Gefahr, dass von uns eingebrachte Nährstoffe ausgefällt werden. Genau das möchten wir ja nicht, da diese Stoffe (die wir ja teuer bezahlt haben) dann nicht mehr den Pflanzen zur Verfügung stehen. Ein HMF zum Beispiel ist deswegen und auch allein wegen seines „Designs“ nicht wirklich für ein Aquascape zu empfehlen. Viele haben in ihrem Filter neben Filterwatte/Filterfließ nur noch Filtermatten eingebracht - Stichwort „Geringfilterung“ sei hier kurz eingeworfen: dabei wird das Aquarium mit einer geringen Filterbestückung gefahren um genau dem Effekt der Ausfällung fast gänzlich aus dem Weg zu gehen. Eine Filterreinigung sollte man generell dann durchführen, wenn der Durchfluss merklich nachlässt.

Der kleine Aufwand Buch zu führen und somit seine Maßnahmen, wie Düngung, Wasserwechsel, Filterreinigung und Leutmittelwechsel, am Becken zu dokumentieren, hilft einem auch später unheimlich alles nachvollziehen, was man durchgeführt hat, und im Zweifelsfall Ursachen für Missstände schnell zu entdecken.

Beim letztendlichen Setzen des Hardscape sollte man sich viel Zeit lassen und die Anordnungen auf sich wirken lassen – auch andere Aquascaper kann man befragen, was man besser machen könnte. Auch manchmal nützlich und hilfreich sind die Aussagen Außenstehender, denn sie können auf Anhieb unbefangen sagen ob das Ganze für Sie harmonisch wirkt oder nicht. Um hier nicht den Rahmen zu sprengen verweise hier auf andere Artikel hier im Flowgrow Aquascaping Network bezüglich Wurzeln, Steinen und den Grundlagen der Einrichtung.

Dein eigenes Vor-, aus dem Lesen nun neu gewonnenes Wissen und das Lernen aus kleinen Fehlern anderer hilft dir unglaublich viel: es bringt dich ein Stück näher zu einem schönen Becken, das später einmal den stolzen Namen eines "Aquascape"s tragen kann. Wir halten also fest: es gibt keinen goldenen Weg zum schönen Becken, denn man kann an zuvielen unterschiedlichen kleinen Komponenten rumschrauben um ein schönes Ergebnis zu erzielen.

Gerne helfen dir die User von Flowgrow bei deinen Fragen, doch um es ihnen einfacher zu machen dir zu helfen, versuche deine Fragen vorerst mit Hilfe der Forum-Suche zu klären, denn viele Problemchen mit Algen oder Mangelerscheinungen beim Wachstum von Pflanzen treten nicht nur bei dir auf und wurden hier im Forum bestimmt schon einmal behandelt sowie erfolgreich gelöst. Auch falls einige Schlagworte aus diesem Artikel unklar sein sollten, dürftest du über die Suche einiges dazu finden.

Sollten dennoch Fragen offen bleiben, oder möchtest du deinen Weg zum Erfolg dokumentieren und anderen zeigen, erstell doch ein Thema. Darin sollte auf jeden Fall, möglichst lückenlos, folgendes beinhaltet sein, denn nur du kennst dein Becken wirklich:

Kleine Problembeschreibung: Worum geht es überhaupt?

Aquariumgröße, Standzeit, Ausstattung (Bodengrund)
Beleuchtung (Wie viele Röhren mit wie viel Watt?, Beleuchtungsdauer)
Filterung, (evtl. Bestückung)
Düngung: Was und wie viel?
Wichtige Wasserparameter: Fe, NO3, PO4, KH, GH, PH, CO2 (Düngung ja/nein, wie?)
Wasserwechsel, wie oft, wie viel?
Wasserwerte des Ausgangswassers (z.B. beim Wasserversorger zu erfahren)
Pflanzen
Tierbesatz

Und nun: lass es wachsen!

 

Vielen Dank für die Bereitstellung der Bilder an Simon C. Krautwig (Simon)!


Hier kann über den Artikel diskutiert werden.

Georg W. Just

Webseite: www.just-aquascaping.com

Georg W. Just Lorem ipsum dolor sit amet, consectetur adipisici elit, sed eiusmod tempor incidunt ut labore et dolore magna aliqua. Ut enim ad minim veniam, quis nostrud exercitation ullamco laboris nisi ut aliquid ex ea commodi consequat. Quis aute iure reprehenderit in voluptate velit esse cillum dolore eu fugiat nulla pariatur. Excepteur sint obcaecat cupiditat non proident, sunt in culpa qui officia deserunt mollit anim id est laborum.