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Fotografie eines Pflanzenaquariums mit einer Kompaktkamera

23 Nov 2008 11:34 • geschrieben von Jason Baliban

Jason Baliban gibt uns eine Einführung in das Fotografieren von Aquarien mit einer Kompaktkamera. Wir benötigen viel Zeit und Aufwand, bis unsere Layouts so aussehen, wie wir es uns vorstellen.

Wenn dieser Moment endlich gekommen ist, wollen wir das Aquarium natürlich so ablichten, dass es die harte Arbeit, unsere Kreativität und unser Können widerspiegelt. Beherzigen wir dabei einige Aspekte, so können wir unsere Fähigkeiten beim Fotografieren deutlich steigern, selbst wenn wir nur eine Kompaktkamera zur Verfügung haben.

Die Fotografie selbst ist eine Kunst. Viele Menschen widmen dieser ihr Leben. Diese Hingabe kann mit dem Aquascaping verbunden werden, um atemberaubende Bilder unserer Pflanzenaquarien zu schaffen. Wie bei jedem Hobby kosten unsere Aquascaping Layouts einiges an Geld und Zeit. Vielen von uns ist es aus diesem Grund nicht möglich, sich professionelles Fotoequipment zu besorgen oder die Zeit aufzubringen, um mit Hingabe diese weitere Kunstform zu erlernen.

 

Viele von uns müssen sich daher mit einer Amateur-Fotoausrüstung begnügen und können daher nur mit einer Kompaktkamera ihr Pflanzenaquarium ablichten. Dieser Umstand und geringes Basiswissen in der Fotografie machen es sehr schwierig unsere Pflanzenaquarien mit einer Kompaktkamera zu fotografieren. In diesem Foto Artikel über Pflanzenaquarien möchte ich daher zwei Einstellungen einer Kompaktkamera beleuchten, die beinahe jedes Kompaktmodell aufweist. Diese zwei Einstellungen, sobald sie verstanden wurden, helfen einem sehr viel weiter. Es wird möglich seine Bilder zu schießen, die dein Layout sehr viel besser wiedergeben und die wahre Geschichte deines Layouts erzählen.

 

 

Weißabgleich

Der Weißabgleich ist eine simple Einstellung von Rot, Grün und Blau, mit der es möglich ist die „korrekte“ Wiedergabe von Weiß zu erreichen. Unser menschliches Auge kann diese Anpassung automatisch vornehmen. Als Beispiel können wir in unseren eigenen vier Wänden in der Nacht, bei normaler Beleuchtung, Weiß noch immer als Weiß wahrnehmen. Wenn wir jedoch ein Foto unter diesen Bedingungen (ohne Blitz) aufnehmen, enden wir mit einem uns recht bekannten gelblichen Bild…wir alle haben schon solche Fotos gemacht. Normale analoge Kameras nutzen spezielle Filter auf den Linsen, um solche Farbprobleme zu beheben. Mit der Einführung der Digitalkamera können wir dies mit ein paar Knöpfchen richtig stellen.

 

Die meisten Digitalkameras haben einen automatischen Weißabgleich. Dies ist der Weißabgleich unserer Kamera, der von unserer Kamera, in der meist genutzten Standardeinstellung, zum Gebrauch kommt (AUTOMATIK, AUTO). Der automatische Weißabgleich lässt unsere Kamera selber den richtigen Weißabgleich einstellen. Unsere Kameras haben kleine Computer integriert, welche Punkte im Bild analysieren und aus diesen Berechnungen einen Weißabgleich schätzen. Der überwiegende Teil unserer Kameras ist bei dieser Aufgabe nicht schlecht und kann in den meisten Situationen einen passenden Weißabgleich einstellen. Deine Kamera mag im Besonderen Bilder zufriedenstellend aufnehmen, wenn sie unter Sonnenlicht oder an einem bewölkten Tag aufgenommen werden. Diese wirken natürlich und bieten einen passenden Weißabgleich. Dein Kameramodell mag jedoch gewisse Probleme unter bestimmten Umständen haben. Als Beispiel kann sich dies um leuchtende Lichtquellen (Zimmerbeleuchtung) handeln, welche das Gesamtbild gelblich färben. Ein weiterer Schwachpunkt liegt bei fluoreszierenden Lichtquellen. Fluoreszierendes Licht färbt Bilder oft zu grün ein. Gerade dieser Aspekt betrifft uns Pflanzenaquarianer, wenn wir mit einer Kompaktkamera arbeiten, da unsere Beleuchtung weitestgehend fluoreszierend ist.

 

Unsere Kameramodelle wissen jedoch, dass sie auch ab und an mit ihrem automatischen Weißabgleich daneben liegen können. Aus diesem Grund bieten sie uns voreingestellte Einstellungen diesbezüglich an. Hierdurch können wir einen passenderen Weißabgleich wählen, wenn unsere Kamera mit der automatischen Wahl daneben liegt. Viele dieser Einstellungen beinhalten z.B. Bewölkt, Tageslicht und Fluoreszierend. Wir müssen uns oft auf diese Einstellungen stützen, damit unsere Becken auf den Fotos so aussehen, wie wir sie mit unseren Augen wahrnehmen.

 

Dennoch bleibt der Weißabgleich auch eine Geschmacksfrage. Wenn wir uns an das „zu gelbliche Bild in einem Zimmer“ erinnern, kann ein akkurater Weißabgleich zwar für exakte Farben sorgen, welche jedoch auf uns zu kalt wirken. Wir selber haben uns an den leicht gelblichen Farbton in solchen Bildern während unseres Lebens gewöhnt und empfinden die exakten Farben als unpassend. Ebenso ergeht es uns bei der Farbwahl unserer Leuchtmittel über dem Aquarium. Weißabgleich bleibt also vornehmlich eine Frage des Geschmacks.

 

Belichtung (Exposure)

Belichtung ist ein simples Konzept, welches man verstehen muss. Unsere Kameras erzeugen ein Bild, in dem sie das Licht für einen Moment auf einen Sensor strahlen lassen. Der Sensor wandelt das Licht darauf in digitale Informationen um, welche gespeichert werden. Je länger das Licht auf den Sensor scheint, desto heller wird das Bild. Wenn die Lichtquelle sehr hell ist, kann dieser Moment sehr viel kürzer sein. Der Sensor wird noch immer genug Licht für das Bild zur Verfügung haben. Wenn die Lichtquelle dunkler ist, muss der Moment länger ausfallen, damit der Sensor noch genug Licht erhält.

 

Die Möglichkeit den Moment des Lichts zu kontrollieren wird bei der Kamera durch den Verschluss (Shutter) realisiert. Der Verschluss kann sich bei einigen Kameramodellen in der Schnelligkeit von 1/8000 einer Sekunde öffnen und schließen und folglich mit sehr hellen Umgebungen zu Recht kommen. Der Verschluss kann aber ebenfalls in dunklen Szenen bis zu 30 Sekunden offen bleiben.

Die Zeit in der der Verschluss geöffnet und geschlossen wird bezeichnet man auch als Belichtungszeit.

 

Unsere Kamera wird wieder automatisch für uns die Belichtungszeit wählen. Ähnlich wie beim automatischen Weißabgleich analysiert die Kamera das aufzunehmende Bild und legt selbstständig eine Belichtungszeit fest, damit die Belichtung des Fotos korrekt durchgeführt wird. Die Kamera besitzt hierfür viele Vorgaben, die es ihr je nach Situation ermöglichen eine richtige Belichtung zu wählen. Leider sind Pflanzenaquarien nicht unter diesen Voreinstellungen zu finden, weshalb die Kamera unter der Automatik falsche Einstellungen wählt und das Bild überbelichtet wird. (das Bild erscheint viel zu hell)

 

Unser Kameramodell hilft uns jedoch auf einem einfachen Weg, die Belichtung zu korrigieren. Dieser Prozess wird Belichtungskorrektur genannt und wird gewöhnlich in +/- gemessen. Es gibt Kameramodelle welche dies mit 1/3 ausdrücken oder beispielsweise +2/3. Andere Modelle nutzen einfach ganze Zahlen wie zum Beispiel -3.

 

 

Anwendung – Weißabgleich

Wir nutzen hierfür mein Layout “Without Boundaries”. Ich werde euch zeigen, inwiefern der Weißabgleich und die Belichtung Einfluss auf das Foto unseres Pflanzenaquariums haben. Wir starten beim Weißabgleich und wählen einen nach unserem Geschmack und wenden uns danach der Belichtung zu.

 

Ich nutze eine Canon Powershot SD850 IS (in Deutschland IXUS 850 IS) Kompaktkamera. An Hand dieser Kamera werde ich die Einstellungen erklären, um den Weißabgleich und die Belichtungskorrektur vorzunehmen. Jedes Kameramodell ist jedoch etwas anders und daher ist es wichtig die Bedienungsanleitung des eigenen Modells zu lesen, um zu verstehen, wie die Einstellungen bei der eigenen Kamera durchgeführt werden.

 

Unten könnt ihr 5 Aufnahmen sehen, welche die gleiche Belichtungszeit mit unterschiedlichen Weißabgleich nutzen.

 

TIP: Nutzt immer ein Stativ, wenn ihr euer Aquarium ablichten wollt. Wenn ihr kein Stativ besitzt, sucht euch irgendwas, auf dem ihr eure Kamera abstellen könnt.

 

Klickt auf die Bilder, um eine größere Version zu sehen.

 

 

Automatischer Weißabgleich – In diesem Fall hat meine Kamera gute Arbeit geleistet beim Auswählen des Weißabgleichs. Wenn es etwas zu bemängeln gibt, dann ein etwas zu grüner Farbstich.

auto

 

Voreinstellung: Wolkig – Ihr könnt sehen, dass diese Voreinstellung den gelblichen Farbstich hervorhebt. Hierdurch wirkt das Foto wärmer. Wenn ihr euch jetzt einen bewölkten Tag vorstellt, ist dieser meist bläulich bzw. kalt. Durch das hinzufügen von etwas Gelb wird mehr Wärme in das Foto gebracht. Dieser Weißabgleich würde sich folglich gut für Leuchtmittel mit 8000 Kelvin und mehr eignen.

 

cloudy

Voreinstellung: Tageslicht Dies ist ein schöner Weißabgleich für das Becken. Ich kann mir gut vorstellen, dass viele das Bild farblich harmonisch empfinden. Für meinen Geschmack wirkt es etwas zu warm. Aber ich verstehe warum viele diesen Farbton bevorzugen.

daylight

Voreinstellung: Kunstlicht – Dieser Weißabgleich fügt viel Blau den Bildern hinzu. Er ist für Aufnahmen entwickelt worden, welche in Räumen mit viel gelblichen, warmen Licht durchgeführt werden. Könnt ihr euch noch an die gelblichen Aufnahmen in Räumen erinnern? Probiert einige Innenaufnahmen bei Nacht mit dieser Voreinstellung zu machen. Ihr werdet feststellen, dass die Weißtöne nun sehr viel ausgewogener erscheinen. Für die Beckenaufnahme wirkt dieser Weißabgleich zu blau für meinen Geschmack.

tungsten

Voreinstellung: Leuchtstoff – Mit dieser Einstellung werden die Grüntone etwas abgeschwächt, da Leuchtstoffröhren gewisse Spitzen in der grünen Farbwiedergabe aufweisen. Bezüglich des Weißabgleichs ist es die Einstellung, mit der ich fortfahren werde.

Fluorescent

 

Anwendung – Belichtung

 

Wieder müsst ihr eure Bedienungsanleitung durchlesen, um zu schauen, wie man bei euch die Belichtungskorrektur durchführt.

Da ich mich nun für einen Weißabgleich entschieden habe, werde ich mich nun der Belichtungskorrektur widmen. Wie ihr sehen könnt, hat meine Kamera bei der automatischen Belichtung ein viel zu helles Bild erstellt. Die dunklen Bereiche des Bilds sind zu hell und die hellen sind überbelichtet. Durch die Überbelichtung wirken die Bereiche weiß und ausgewaschen. In diesem Fall weiß ich, dass ich die Belichtung reduzieren muss. Beispielhaft wollen wir jedoch + und – bezüglich der Belichtung durchgehen. Wir werden drei Schritte nach oben gehen und sechs Schritte nach unten. Ihr werdet feststellen, dass beide Extremeinstellungen nicht nutzbar sind. Jedoch helfen sie gegebenenfalls Personen, welche eine Kamera besitzen, die generell extremere Belichtungswerte automatisch setzen.

 

+3 (also +1.0 in 1/3 Schritten): Überbelichtet…Wenn euer Bild so aussieht, dann müsst ihr eine negative Belichtungskorrektur durchführen.

plus3

 

+ 2 (also +0.7 in 1/3 Schritten): Überbelichtet… Wenn euer Bild so aussieht, dann müsst ihr eine negative Belichtungskorrektur durchführen.

plus2

 

+ 1 (also +0.3 in 1/3 Schritten): Überbelichtet… Wenn euer Bild so aussieht, dann müsst ihr eine negative Belichtungskorrektur durchführen.

plus1

 

Auto: Überbelichtet… Wenn euer Bild so aussieht, dann müsst ihr eine negative Belichtungskorrektur durchführen.

even

 

Nun widmen wir uns der negativen Belichtungskorrektur. Dies ist eine Frage des Geschmacks. Ich werde alle Einstellungsmöglichkeiten durchführen und wähle am Ende eine passende aus.

 

-1 (also -0.3 in 1/3 Schritten)

minus1

 

-2 (also -0.7 in 1/3 Schritten)

minus2

 

-3 (also -1.0 in 1/3 Schritten)

minus3

 

-4 (also -1.3 in 1/3 Schritten)

minus4

 

-5 (also -1.7 in 1/3 Schritten)

minus5

 

-6 (also -2.0 in 1/3 Schritten)

minus6

 

 

Wie ich sagte, ist es eine Frage des Geschmacks. Ich finde, dass -3 (-1 in 1/3 Schritten) am besten aussieht.

Hier sehen wir diese Einstellung erneut, nachdem ich das Bild etwas geschärft habe.

minus3

 

Dieses Bild ist großartig und es gibt die natürliche Erscheinung, wie ich sie wahrnehme, wieder. Viele von euch haben Photoshop. Hierdurch habt ihr noch ein paar weitere Möglichkeiten eure Bilder aufzuwerten.

 

Das Bild unten zeigt das Becken mit ein wenig „Burning“ für den Hintergrund und etwas mehr Schärfe. Wie ihr sehen könnt, gibt das Bild einen sehr guten Eindruck vom Becken. Ich glaube viele wären erstaunt, wenn sie wüssten, dass das Bild mit einer Kamera für ca. 200€ aufgenommen wurde.

final

 

Um dies nochmal genauer hervorzuheben. Das nachfolgende Bild entstand mit einer Nikon D80, einer Kamera die 5x so viel kostet. Wie ihr sehen könnt, ist dort kein großer Unterschied zu erkennen. Die wahrnehmbaren Unterschiede könnt ihr bei den Akzentuierungen erkennen. Ihr seht, dass die Akzentuierungen bei der Kompaktkamera eher weißlich und ausgewaschen wirken, wohingegen die D80 die Farben eher beibehält. Der Grund hierfür liegt in dem größeren und qualitativeren Sensor in der D80. Durch diesen Unterschied kann die D80 besser mit den dynamischen Inhalten umgehen.

finalSLR

 

 

Ich hoffe dieser Artikel hat euch etwas geholfen mit eurer Kamera umzugehen, so dass ihr eher in der Lage seid eure Layouts festzuhalten, wie ihr sie seht. Wie bei vielen Sachen sind der Weißabgleich und die Belichtungskorrektur Geschmackssache. Ihr müsst hierbei herumexperimentieren und euren Ideen und eurem Geschmack folgen.

 

Dies sind also nur zwei kleine Wissensaspekte, die euch helfen wunderschöne Bilder von euren Layouts zu machen.

 

Jason Baliban (www.projetaquarium.com)

Der Artikel wurde ursprünglich für das Aquascaping World Magazin verfasst.

 

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