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Rückwandfolie blasenfrei kleben

07 Sep 2011 07:24 • geschrieben von Marcel Dykierek

Wenn man sich auf den vorderen Rängen der großen Aquascaping-Wettbewerbe umsieht, bemerkt man schnell, dass ein großer Teil dieser Becken mit einer schlichten Rückwandfolie beklebt ist. Meistens wird eine transluzente Folie verwendet...

Diese wird dann auch noch von hinten beleuchtet, um entweder einen Farbverlauf oder aber - duch gewollte Überbelichtung - den Eindruck von Unendlichkeit zu erzeugen. Hin und wieder sieht man aber auch Aquarien, die mit einer weißen oder einer schwarzen Folie beklebt wurden.

Dieser Artikel soll nun einmal die wichtigsten Schritte vor und während der Montage einer solchen (Plotter-)Folie am Aquarium aufzeigen. Beim Kauf der Folie sollte man diese rundum etwa ein bis zwei Zentimetertank größer wählen als die Scheibe des Aquariums, die beklebt werden soll. Da wir im Nassklebeverfahren arbeiten werden, lässt sich die Folie so wesentlich leichter anbringen und ausrichten. Die anschließend überstehenden Ränder werden (idealerweise nach etwa einem Tag Trocknungszeit) mit einem scharfen Messer bzw. Skalpell einfach abgeschnitten.

 

Folgende Dinge sollte man bereit legen bzw. zur Hand haben:

  • Plotterfolie (z.B. Marke "Oracal"), rundum etwa 1-2 cm größer als die Aquariumscheibe
  • Rakel (eine CD-Hülle lässt sich auch dafür zweckentfremden)
  • Scheibenreiniger (idealerweise solchen mit Alkoholanteil, um auch fettige Rückstände zu entfernen)
  • Weiches Tuch
  • Pumpsprüher mit Wasser-/Spülmittellösung
  • Scharfes Messer bzw. Skalpell

Zu Beginn sollte man die zu beklebende Scheibe gründlich reinigen, so dass dort möglichst keinerlei Staub und Fett mehr anfaftet.

Anschließend befüllt man einen Pumpsprüher mit Wasser, gibt einen Tropfen Spülmittel hinzu, verschließt ihn wieder und schüttelt anschließend leicht, um eine gute und gleichmäßige Verteilung zu erreichen. Mit dieser Lösung wird im nachfolgenden Schritt die selbstklebende Seite der Folie eingesprüht, um vorübergehend die Klebewirkung der Folie abzuschwächen. Das Spülmittel in der Lösung dient dazu, die Oberflächenspannung des Wassers zu brechen.

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Vorweg sei noch erwähnt, dass es deutlich leichter und entspannter von der Hand geht, wenn man den nun folgenden Schritt zu zweit ausführt: die Folie wird auf einer möglichst staub- und fusselfreien Unterlage (mit dem Trägermaterial nach oben) flach ausgebreitet. Eine Person fängt nun an, das Trägermaterial von der eigentlichen Folie langsam aber gleichmäßig abzuziehen, während die andere Person gleichzeitig die Folie nach und nach (an den jeweils neu freigelegten Stellen) mit der Wasser-/Spülmittellösung benetzt. Wichtig ist bei diesem Schritt, darauf zu achten, dass die Folie sich nicht selbst zusammenklebt, der Kleber hält nämlich derart stark, dass man diese Stellen nicht wieder auseinander bekommt und somit die Folie verwerfen muss. Daher lieber zuviel Wasser-/Spülmittellösung auftragen als zu wenig!

Ist die Folie komplett vom Trägermaterial befreit, hält jede der beiden involvierten Personen jeweils eine Seite der Folie fest, um sie dann erst einmal kurz senkrecht nach unten hängen zu lassen, damit sie abtropfen kann.

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 Anschließend kann die Folie auf die Aquarienscheibe aufgebracht werden. Trotz der noch reichlich anhaftenden Spüli-Lösung haftet die Folie - je kleiner und somit leichter sie ist, desto besser - eigenständig an der Scheibe. Nun lässt sich die Folie auf der Scheibe vollkommen problemlos grob ausrichten, bis die Scheibe wirklich vollständig von der Folie bedeckt ist. Hat man dies geschafft, empfiehlt es sich, die Folie am oberen und den oberen seitlichen Beckenrändern mit etwas Kreppband (= Abdeckband) zu fixieren, damit sie im nachfolgenden Schritt nicht mehr stark verrutschen kann.

 

Die teilweise sicher noch sehr großen Luftblasen zwischen der Aquariumscheibe und der Folie müssen nun möglichst vollständig entfernt werden, bevor das Wasser wieder verdunstet ist (und somit der Kleber der Folie wieder seine volle Klebkraft erreicht). Hierfür hat man zwar einige Stunden Zeit, es empfiehlt sich aber, diesen Schritt im direkten Anschluss zum vorherigen auszuführen. Man umwickelt also den bereitgelegten Rakel (oder alternativ die CD-Hülle) mit einem weichen Tuch, um Kratzer, die spätestens bei der Beleuchtung von oben sichtbar werden würden, zu vermeiden. Nun beginnt man von der Mitte der Scheibe aus, die Blasen zwischen Aquarium und Folie zu den Rändern des Beckens hin herauszustreichen, wie man auf den folgenden Bildern recht gut erkennen kann:

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Man wird es leider nicht schaffen, alle Blasen mit einigen wenigen Zügen zu beseitigen, daher ist dieser Schritt so lange zu wiederholen, bis die Folie augenscheinlich völlig frei von jeglichen Blasen ist. Kleinste Bläschen können ggf. bleiben, wenn man es nicht schafft, diese auch herauszudrücken. Mit ein wenig Glück verschwinden diese, nachdem das Wasser zwischen Folie und Aquarium verdunstet ist. Gerade bei hellen (oder auch transluzenten) Folien ist das Risiko aber sehr groß, dass diese mit der Aquariumbeleuchtung wieder sichtbar werden und somit mehr oder weniger den Anblick stören.

 

Optimalerweise lässt man dem Wasser nun etwa einen Tag lang Zeit, um zu verdunsten, bevor man sich an das vorsichtige Abschneiden der noch überstehenden Ränder macht. Beginnt man hiermit zu früh, ist die Gefahr groß, dass sich unschön anzusehende Wellenlinien an der Schnittkante (durch die noch nicht optimal am Becken haftende Folie) ergeben. Man beginnt an der Seite, die den geringsten überstehenden Rand hat. Hier schneidet man leicht ein, bis man zur Glaskante des Aquariums gelangt. Anschließend wird das Messer (oder Skalpell) langsam, aber sehr gleichmäßig etwa im 45°-Winkel (erfreulichweise haben fast alle Aquarien ohnehin eine 45°-Fase an den Kanten) an der Scheibe entlang geführt - ohne die sonst typischen "Auf- und Abbewegungen", denn diese würden ebenfalls wieder Wellenbildung zur Folge haben. Hat man so den ersten überstehenden Streifen entfernt, ergibt sich auch gleich die nächste Stelle, an der man das Messer wieder ansetzen kann, und man verfährt weiter wie oben beschrieben, bis alle Überstände beseitigt sind.

 

Abschließend sollte es dann so aussehen wie es dieses Bild zeigt (rechtes Aquarium):

Fertig