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Unauffällige Filter- Ein- & Ausläufe aus Acrylglasrohr

14 Apr 2010 18:42 • geschrieben von Marcel Dykierek

Es müssen nicht unbedingt immer Glaswaren sein. Ist es doch recht ärgerlich, wenn eine für viel Geld erstandene Lilypipe zu Bruch geht. Außerdem ist man mit der Variante "Marke Eigenbau" wesentlich flexibler.

Zuerst einmal sollte man sich selbstverständlich die passenden Rohre besorgen. Diese wählt man bestenfalls einen bis zwei Millimeter größer, als der  Innendurchmesser des zu verwendenden Schlauches ist, so dass der Schlauch guten Halt findet und nicht ohne weiteres abrutschen kann.

In meinem Fall habe ich Rohre mit 20mm Außendurchmesser verwendet, bei einem Schlauchinnendurchmesser von 16mm. Erwärmt man den Schlauch gut (z.B. mit  heißem Wasser) und feuchtet das Rohr an, bekommt man auch diesen sehr gut auf das Rohr geschoben.

Die erstandenen Rohre werden dann erst einmal grob auf eine handliche Länge gebracht, das ist mit einer Puksäge schnell erledigt. Man sollte sich an dieser Stelle schon im Klaren darüber sein, wie man die Schlauchführung am Becken gestalten will, das heißt, dass evtl. Verwendung findende Schnelltrennkupplungen nahe den Rohren mit in die Längenberechnung einbezogen werden sollten. Ich kann diese Vorgehensweise nur wärmstens empfehlen, da sie die unvermeidlichen Reinigungen der Rohre im laufenden Betrieb deutlich erleichtert.
Die Rohre sollten auf jeden Fall deutlich länger als letztendlich wirklich benötigt zugesägt werden, sonst gibt's beim Erhitzen des Rohrs mit dem Heißluftföhn verbrannte Finger!

Anschließend geht es ans Biegen. Hierzu empfiehlt es sich, eine Biegehilfe zu verwenden, wenn nicht sogar professionelles Werkzeug hierfür vorhanden ist.
Ich habe mir aus Resten, die ich zum überwiegenden Teil noch herumliegen hatte, eine solche selbst gebastelt. Sie besteht aus zwei Multiplexplatten (18mm),  drei kleinen Metallwinkeln, Schrauben, einer PVC-Übergangsmuffe (in meinem Fall für 63mm Rohre), Kleber auf MS-Polymer-Basis (um die Muffe auf die senkrechte Holzplatte zu kleben), Alufolie zur Isolation der Muffe, Panzerband (zum Fixieren der Alufolie), einem Klebe-Pad zur Aufnahme eines Kabelbinders und einem Kabelbinder.

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Das Rohr wird nun mit möglichst gewaschenem Sand gefüllt, da evtl. vorhandene Stäube unter Umständen beim Erhitzen des Rohrs im Inneren hängen bleiben könnten. Hierzu wird zuerst das untere Ende des Rohrs mit Panzerband verschlossen und anschließend der Sand mit einem passenden Trichter in das Rohr eingefüllt.

Hierbei ist zu beachten, dass der Sand zwischendurch einige Male durch Stampfen des Rohrs auf einen harten Untergrund verdichtet werden sollte, das obere Ende des Rohrs wird währenddessen einfach mit dem Daumen verschlossen. Ist das Rohr vollständig gefüllt, wird auch die obere Öffnung des Rohrs mit Panzerband verschlossen.

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Nun kann mit dem eigentlichen Biegen begonnen werden. Zuerst wird das Rohr relativ großflächig mit einem Heißluftföhn erwärmt, anschließend in die Biegehilfe eingesetzt und an den Stellen, die gebogen werden sollen partiell stark erhitzt (Heißluftföhn). Hierbei ist etwas Fingerspitzengefühl und Übung notwendig, wird das Rohr zu heiß, wirft das Material Blasen, ist es zu kalt, reißt es. Es gilt also, ein gutes Mittelmaß zu finden, mit ein wenig Übung gelingt das sehr gut. Der Biegevorgang sollte langsam von Statten gehen, zeitgleich wird das Rohr immer auf Temperatur gehalten, um die oben genannten Symptome zu vermeiden.
Tipp: Um ein Gefühl für die richtige Temperatur zu entwickeln kann man einfach ein (Extra-) Rohr mit einer Hand waagerecht zum Boden halten, während man es mit dem Heißluftföhn erhitzt. Durch das Eigengewicht des Rohrs mit dem eingefüllten Sand biegt es sich bald "von selbst" in Richtung Boden. Diesen Zustand gilt es beim nächsten Rohr während des nachfolgenden eigentlichen Biegevorgangs ständig zu halten.

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Nach dem Biegen wird das Rohr auf die finale Länge gebracht, hier kommt wieder die Puksäge zum Einsatz. Den dabei entstandenen Grat entfernt man mit Nass-Schleifpapier in verschiedenen Körnungen. Angefangen wird mit 220er, anschließend 500er und der finale Schliff erfolgt mit 1200er Korn. Ich habe etwas Küchenkrepp unter das Schleifpapier gelegt, um evtl. vorhandene leichte Unebenheiten auszugleichen, außerdem wird so überschüssiges Wasser recht sicher aufgefangen. Das Schleifpapier wird gut mit Wasser benetzt, danach setzt man das Rohr gerade (!) auf das Papier und führt kreisende Bewegungen mit dem Rohr darauf aus. Auf diese Weise glättet man zuerst die eigentliche Schnittkante, danach wird das Rohr unter weiterhin kreisenden Bewegungen leicht angewinkelt um die eigene Achse gedreht, um auch die scharfen Kanten etwas abzurunden. Hierbei ist darauf zu achten, möglichst gleichmäßig zu arbeiten. Das Ergebnis kann man zwischendurch immer mal wieder kontrollieren. Abschließend wird das Rohr erst unter fließendem Wasser gut gereinigt und dann abgetrocknet.

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Wenn man das alles erfolgreich hinter sich gebracht hat, kann man seine neuen selbstgefertigten Rohre am Aquarium installieren.

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Auf den obigen Bildern kann man die weiter oben beschriebene Vorgehensweise, Schnelltrennkupplungen nahe den Rohren zu installieren, gut erkennen.

Ich habe sowohl den Auslauf- als auch den Einlaufbogen zweiteilig konzipiert, dieses erleichtert zum einen die Reinigung, zum anderen ist man beim Auslauf (zurück in das Aquarium) wesentlich flexibler. Man kann die Ausströmrichtung im Becken nahezu frei einstellen, ohne dabei das Rohr bzw. den Schlauch zum Filter zu verdrehen. Zum Verbinden der beiden Teile des Auslaufbogens habe ich den gleichen Schlauch verwendet, der auch für die restliche Verschlauchung zum Einsatz gekommen ist. Bei der von mir verwendeten Konfiguration hält dieses aufgrund der recht großen Differenz von Rohr-Aussen- und Schlauch-Innendurchmesser sehr gut, wer hier trotzdem Bedenken haben sollte, kann die obere Verbindung zusätzlich mit einem Kabelbinder sichern. Die Verbindungsstelle ist an der höchstmöglichen Stelle einzuplanen, damit man den verbindenden Schlauch nicht im Wasser sieht. Dennoch ist darauf zu achten, dass das Rohr an der Schnittstelle schon wieder senkrecht zum Boden verläuft, sollte dies nicht der Fall sein, überlappen die Schnittkanten und es könnten Turbulenzen entstehen.
Den verwendeten schwarzen Ansaugkorb wird man durch die später folgende Bepflanzung nicht mehr sehen können.


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