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Wakrubau von Kim Pulkki

04 Nov 2009 17:21 • geschrieben von Kim Pulkki

Hallo Freunde des Aquascaping. Ich heiße Kim Pulkki und wohne in der Stadt Eskilstuna, im wunderschönen Schweden. Ich habe zwei Kinder (3 und 5 Jahre alt) und eine wundervolle Freundin. Wir leben in einem Haus, ganz in der Nähe der moosbewachsenen und dichten schwedischen Wälder.

Ich arbeite als medizintechnischer Ingenieur und bin erst 35 Jahre jung. Ich war ein wenig geschockt, als ASW mein bepflanztes Aquarium zum „Aquascape des Monats“ wählte. Es ist eine Ehre für mich, diesem Kreis sehr talentierter Aquascaper beizutreten. Danke ASW!

Meinen aquaristischen Weg schlug ich ein, als ich ungefähr 10 Jahre alt war und mein erstes Aquarium bekam. Es war ein 60l-Becken mit goldenen Rahmen. Seit dem kamen immer mehr Becken hinzu. Mein Interesse am bepflanzten Becken begann im Jahr 2007 mit einem 180l-Becken. Ich hatte zwar Pflanzen, aber ich wusste keine der Pflanzen zu benennen. Damit startete die Abhängigkeit.

Ich habe ein schwedisches Forum für Pflanzenfreaks gefunden (www.plantswap.se). Als ich nach den Namen meiner Pflanzen suchte, stieß ich zum ersten Mal auf Aquascaping. Nach massiger Recherche über Aquascaping habe ich mein erstes „high-tech“ Pflanzen-Becken eingerichtet. Ich habe es „Gnomeland“ (Wichtelland) genannt.

Hier bin ich jetzt, nur 1,5 Jahre später, gebe ich ASW ein Interview über mein neuestes Aquascape, Wakrubau. Absolut unvorstellbar.

1 wakrubau aquascape large


1 sideview aquascape 1600Aquascaping Technik

Planen und überarbeiten des sich kontinuierlich entwickelnden Aquascaping

Der Titel des Aquascapes ist Wakrubau. Dies ist das "Star Trek"-Vulcanier-Wort für „sich entwickeln“ (Voranschreiten bei schrittweiser Veränderung).
Dieses Scape hat sich aus meinem ersten Scape in diesem Becken entwickelt,
dem lo'uk yar-kur.

Ja, ich bin nicht nur ein Pflanzen-Freak, ich bin auch ein Trekki! Bitte helft mir!
Als ich mit Aquascaping begann, suchte ich mit viel Mühe die Pflanzen aus, die ins Layout sollten. Ich wollte die Pflanzen vom vorherigen Layout verwenden, weil ich denke, dass sie gut zusammen passen. Doch da waren auch einige Pflanzen, die ich entfernen musste, um die Liste der Pflanzen zu kürzen.

 

1 java fern large

Zunächst hatte ich vor, eine große Insel zu gestalten, aber dann habe ich durch Zufall ausprobiert zwei kleine Inseln zu machen, nur um zu sehen, wie das ganze aussieht. Ich hatte das Gefühl, dass die „Doppel-Insel-Lösung“ das Richtige war und begann alles für dieses neue Layout vorzubereiten. Ich habe meine gesamten Pflanzen umorganisiert und alles auf das neue Layout abgestimmt.

Ich glaube, meine Inspiration für dieses Layout ist ein Mix aus vielen verschiedenen toll bepflanzten Becken, die ich im Internet und in der Natur, die mich umgibt, gesehen und beobachtet habe. Ich sehe oft natürliche Gestaltungen im Wald und in der Natur, die mich in der Einrichtung meiner Becken inspirieren. Ich glaube nicht, dass die Natur wahllos erschaffen wurde. Vielmehr ist es ein hochpräziser „Design-Job“, der sich fortwährend weiterentwickelt.


Hardscape: Die Gründung der Inseln

Das Hardscape ist hauptsächlich zusammengesetzt aus roten Moorwurzeln und einigen Steinen, die ich im Wald in der Nähe unseres Hauses gefunden habe. Das Substrat fällt zum Vordergrund hin ab.
Ich habe Ranunculus papulentus in der Mitte angebracht, so dass es auf dem kleinen Hügel wächst, den ich dort angelegt habe. Die Basis für die Inseln besteht aus Wurzeln. Nachdem ich Javafarn & Bolbitis heudelotii angebracht hatte, habe ich die Wurzeln geschnitten und angepasst und sie dann zurück ins Substrat gesetzt.
Über viele Strapazen und Fehler hat sich letztendlich das Hardscape gebildet.

1 java fern right largeBeschneiden aquaristischer Pflanzen für Tiefe und natürliche Hamonie

Ich habe die linke Seite des Javafarns so beschnitten, dass es so aussah, als wäre hinter der großen Insel eine weitere kleine Insel. Ich denke, mit diesem Teil des Aquascapes kann man sich die Tiefe des Ganzen gut vorstellen.

Auf der rechten Seite wollte ich, dass das  Microsorum pteropus einerseites die „Show stiehlt“, sicher aber andererseits mit den spitzen Blättern der Bolbitis vermischt. Ich denke, die beiden Pflanzen passen sehr gut zusammen. In meinen Augen sind sie ein grünes Feuer, das der Oberfläche entgegen lodert.

Die Glossostigma elatinoides im Vordergrund wuchs anfangs sehr wild und fast schon außer meiner Kontrolle. Doch nach einiger Zeit begann ich die natürliche Form, die es annahm, zu mögen. Ein paar Stellen habe ich herunter geschnitten, so dass die Glossostigma elatinoides so natürlich wie möglich wachsen konnte. So kann man auch sagen, dass dieser Teil des Layouts von Mutter Natur geschaffen wurde.

Der Teil zwischen den Inseln soll ebenfalls die Illusion der Tiefe erwecken. Wie auch immer, wenn ich es mir noch einmal anschaue, könnte das gesamte Layout noch mehr beschnitten werden. Vielleicht werde ich auch den gesamten Abschnitt entfernen, um einfach zu sehen, wie es aussieht. Den Hemianthus micranthemoides im hinteren rechten Teil werde ich auch bald entfernen, da er auf Grund seiner natürlichen Schönheit den Fokus von den beiden Inseln auf sich zieht. Einmal weggenommen, wird dieser Teil des Beckens sehr viel offener wirken.
Dieses Aquascape verändert sich andauernd, genau wie die Natur.

1 planted aquarium largeDie größten Herausforderungen

Die Hardscape-Anordnung der roten Moorwurzeln war der schwierigste Teil. Ich habe versucht, sie in eine Richtung auszurichten, dann unterschiedliche Richtungen, aber beides fühlte sich falsch an. Ein gutes Gefühl wollte sich nicht einstellen, also machte ich eine Pause, um mir etwas anderes zu überlegen. Als ich zurückkehrte, fiel mir auf, dass einige der abzweigenden Äste nach unten zeigten und plötzlich hatte ich ein gutes Gefühl; das war es!
Die Wurzeln sollten alle nach unten in den Kies zeigen und ja, ich war wieder auf dem richtigen Weg.

Das Einrichten des Beckens ist im Gegensatz dazu eher einfach und die Algen halten sich irgendwo anders auf. Die Pflanzen wachsen schnell und ich benutze nur noch ab und zu die Schere.


Schlussbemerkung und Ratschläge

Es ist gut, einen anfänglichen Plan zu haben, aber schrecke nicht davor zurück ihn zu ändern, wenn du merkst, dass etwas davon nicht funktioniert. Beobachte die Natur, und wie diese sich selbst designt. Versuche nicht etwas, das du magst, direkt zu kopieren, sondern sammle einzelne Teile deiner Favoriten und füge sie zusammen, indem du etwas Harmonierendes kreierst.

Ein bepflanztes Becken mit einer Hand voll verschiedener Pflanzen funktioniert meistens am besten, und mein Rat ist, die Liste der Pflanzen kurz zu halten. Denke daran, die Pflanzen zu benutzen, die du liebst. Benutze keine Pflanzen nur weil sie „schwierig“ sind. Aquascaping und ein bepflanztes Aquarium zu führen wird mit der Zeit einfacher, und es wird dich sicherlich zufrieden stellen und süchtig machen.

 

 

Beckendaten:
Aquariengröße 120 x 60 x 50 cm, 360 Liter
Beleuchtung 6 x 54W T5 6500K / 11h pro Tag
Filter eheim 2078e pro
CO2 10kg Druckgas mit pH-Controller, Reaktor mit eheim 2252 betrieben, Hydor Koralia 1 für extra Umwälzung

Substrat Akadama DL und Schwedischer Rada Sand  
Wasserwerte KH 9,5, pH 7,1
Pflegemaßnahmen Wasserwechsel 50% pro Woche
Düngung PMDD (KNO3, KH2PO4, K2SO4 & Mikrodünger)

 

Pflanzen: Bewohner:

Hintergrund

 

Bolbitis heudelotii
Microsorum pteropus – narrow & needle

Mittelgrund

 

Echinodorus tenellus
Hemianthus micranthemoides
Ranunculus inundatus

 

Vordergrund

 

Glossostigma elatinoides

 

Aspidoras pauciradiatus
Microrasbora kubotai
Corydoras pygmaeus
Carinotetraodon travancoricus
Crossocheilus oblongus
Caridina multidentata
Neocaridina heteropoda “Cherry”
Atyopsis pilipes

 


 

Vielen Dank an Lena Müller für die Übersetzung!

 

Der Originalartikel ist bei Aquascaping World zu finden.

 

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